67 Prozent der SVP-Wähler sind laut GfS- Umfrage für die Abzocker-Initiative. An der gestrigen Delegiertenversammlung setzte sich trotzdem das Parteiestablishment durch: Mit 295 zu 160 Stimmen sprach sich die Volkspartei für den Gegenvorschlag aus.

«Wir werden Nein sagen, das Volk sagt dann Ja», prognostizierte SVP-Grossrat Thomas Fuchs (BE), bevor sich Alt-Bundesrat Christoph Blocher und Initiant Thomas Minder in der Badmintonhalle im solothurnischen Balsthal duellierten. «Löchrig wie ein Käse» sei der Gegenvorschlag, rief Minder in den Saal. «Jeder gute Käse hat Löcher», konterte Blocher – und lobte den Gegenvorschlag als «Tilsiter», der genügend Löcher habe, um die unternehmerische Freiheit nicht zu gefährden. Über 40 Delegierte ergriffen danach das Wort. 14 sprachen sich für die Initiative aus, 27 – vor allem Parlamentarier – für den Gegenvorschlag. Die einen geisselten die «Gaunereien der Elite», die anderen priesen Blocher als «den besseren Minder».

Dass die Delegierten am Ende Blocher folgten, hält SVP-Nationalrat Oskar Freysinger (VS) für wenig aussagekräftig: «Viele wollten einfach nicht gegen Blocher stimmen.» Auch Minder nahm das Resultat gelassen: «Ein Ja hätte mich gefreut. Entscheiden wird aber das Volk.»

Grosses Gesprächsthema bei den Delegierten war die gespaltene Familie Blocher. Besonders unangenehm ist die Situation für Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher: Ihr Ehemann Roberto Martullo kämpft für die Abzocker-Initiative, ihr Vater Christoph Blocher dagegen. Und wo steht sie? «Ich nehme dazu keine Stellung», sagte sie gestern, als «Der Sonntag» sie telefonisch erreichte.

Einigkeit herrschte in der SVP dagegen bei der Parolenfassung zum Familienartikel: Mit nur einer Gegenstimme lehnt die Partei die Vorlage wuchtig ab.

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