VON OTHMAR VON MATT

Entsetzt sei die Justizministerin gewesen, sagen Insider. Denn ihre eigene BDP-Fraktionschefin, Brigitta Gadient, sprach am Mittwoch vor der Bundesversammlung von der «Konkordanz» und vom «Wähleranteil», der für die FDP spreche und gegen die CVP. Viele Parlamentarier werteten Gadients Aussage als direkte Aufforderung, Eveline Widmer-Schlumpf 2011 nicht wiederzuwählen. SVP-Fraktionschef Caspar Baader gratulierte ihr ostentativ.

Widmer-Schlumpf ist alarmiert – und mit ihr die BDP. Die CVP wittert nach ihrer Niederlage vom Mittwoch Morgenluft. «Unsere Türen sind offen», sagt Generalsekretär Tim Frey, und spielt damit auf die Fusionsidee an, die CVP-Präsident Christophe Darbellay an die BDP herangetragen hatte.

Diese winkte auf Druck der eigenen Basis ab. Doch nun hat sich die Ausgangslage geändert. Frey betont, die CVP werde die Tür nicht allzu lange offen lassen: «Die BDP kann sich nicht erst fünf Wochen vor den Wahlen 2011 entscheiden. Sie muss es eher schnell tun.» Was wohl heisst: nach den Berner Wahlen im nächsten Frühling.

«Wir sind bereit, mit der CVP Gespräche zu führen», sagt BDP-Präsident Hans Grunder gegenüber dem «Sonntag» zu den CVP-Avancen. «Einzelne Gespräche fanden schon statt.» Für Grunder deutet seit Mittwoch «alles stark darauf hin, dass SVP und FDP einen Deal gegen Widmer-Schlumpf geschlossen haben».

Das dementieren die SVP- und FDP-Fraktionschefs zwar entschieden. Insider glauben aber, SVP wie FDP hätten ein Interesse daran, die BDP zu zerreiben. «Diese Vermutung ist nicht ganz von der Hand zu weisen», sagt Grunder.

Unklar ist, wie eine allfällige enge Zusammenarbeit zwischen BDP und CVP aussehen soll. Bei der BDP tendiert man dazu, dass beide Parteien eigenständig in die Wahlen 2011 steigen – und erst danach eng zusammenarbeiten. Bei der CVP hält man «eine systematische Zusammenarbeit für denkbar», so Generalsekretär Frey. «Zum Beispiel systematische Listenverbindungen für die Wahlen 2011.»

Foto: Urs Bucher/EQ Image