VON NADJA PASTEGA

Die 15-jährige Enisa aus Bad Ragaz SG weigert sich, das Kopftuch in der Schule abzulegen – trotz Kopfbedeckungsverbot («Sonntag» vom 15. August). «Ich will doch ins Paradies», sagt Enisa. Jetzt stellt sich heraus: In einem Korankurs wurde das Mädchen radikalisiert.

Enisa nahm Islamunterrichtan der bosnischen Moschee in Chur. Beim Imam der Moschee legte sie die zweistündige Prüfung zur «Hafiza» ab. Das Diplom bescheinigt ihr, dass sie den Koran auswendig gelernt hat. Enisa legte das Koran-Examen am 15. Mai vor Publikum in der Moschee ab, seit dem 10.Mai trägt sie den Hijab – das islamische Kopftuch verhüllt Haare, Hals und Ohren vollständig.

Zu Enisas Prüfungsexperten gehörte Oscar Bergamin vom Islamischen Zentralrat der Schweiz (IZRS). Er verkehrt in der gleichen Moschee wie Enisa. Jetzt vertritt er sie im Rechtsstreit mit den Schulbehörden von Bad Ragaz. Enisa habe sich «freiwillig» entschlossen, den Hijab zu tragen, «nachdem sie den Koran auswendig gelernt und somit eine göttliche Offenbarung verinnerlicht hat», heisst es in einem Schreiben Bergamins an den Erziehungsrat des Kantons St. Gallen.

Georg O. Schmid von der evangelischen Sektenberatungsstelle Relinfo warnt: «Muslimische Mädchen werden in den Moscheen radikalisiert und fanatisiert.» Er habe Kenntnis von mehreren Fällen, bei denen Kinder von ihren Familien entfremdet würden. «Die Mädchen machen einen Islamkurs, meist in einer Moschee, und dann tragen sie plötzlich ein Kopftuch, beten fünfmal pro Tag und der Ramadan ist wichtig.» Bosnische Muslime würden einen liberalen Islam vertreten, seit einiger Zeit sei aber zu beobachten, dass diese Moscheen von Fundamentalisten «unterwandert» würden.

«In Korankursen findet eine Beeinflussung statt», bestätigt Saïda Keller-Messahli, Präsidentin vom Forum für einen fortschrittlichen Islam: «In der Schweiz fehlen Schulen, an denen ein moderner Islam gelehrt wird.»
Enisa trägt den Hijabgegen den Willen ihres Vaters. Dieser versuchte, seine Tochter davon zu überzeugen, mit dem Kopftuch zu warten, bis sie die Schule beendet und eine Lehre begonnen hat – vergeblich.

Nachdem die Schule mit Disziplinarmassnahmen drohte, habe sich Enisa an den Islamischen Zentralrat gewandt, sagt IZRS-Kadermann Bergamin: «Sie nahm Kontakt auf mit unserer Frauenbeauftragten Nora Illi. Weil ich näher bei Bad Ragaz wohne, habe ich die Betreuung übernommen.» Bergamin wohnt in Felsberg GR, der Heimatgemeinde von Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf.

Enisa trägt den Hijab weiterhin – trotz Kopftuchverbot an der Schule von Bad Ragaz. Die Schulaufsicht Sargans ist eingeschaltet. Am nächsten Freitag findet eine Anhörung statt. Bergamin kündigt an: «Ich werde mit Enisa daran teilnehmen.»


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