VON NADJA PASTEGA

Erstmals liegt eine Statistik zum neuen Strafrecht vor – über eines der schlimmsten Verbrechen: Vergewaltigung. Der «Sonntag» kennt die erschreckenden Zahlen, die das Bundesamt für Justiz (BJ) erhoben hat:

Jeden dritten Tag wird in der Schweiz eine Frau vergewaltigt.

Jeder vierte Vergewaltiger muss für seine Tat nicht ins Gefängnis.

Weitere 30 Prozent der Triebtäter müssen nicht einmal die Hälfte ihrer Strafe absitzen – und kommen dann wieder auf freien Fuss.

Die BJ-Erhebung zeigt weiter: Die Zahl der unbedingten Freiheitsstrafen hat massiv abgenommen. Seit das neue Strafrecht am 1. Januar 2007 in Kraft trat, mussten nur 48 Prozent der verurteilten Sextäter hinter Gitter, um ihre volle Strafe abzusitzen – unter dem alten Strafrecht waren es 77 Prozent.

«Die Täter werden milder bestraft», sagt Martin Killias, Strafrechtsprofessor und Kriminologe an der Universität Zürich. Die Meinung sei verbreitet, es gebe «ein Menschenrecht auf bedingte Strafen», kritisiert Killias – und fordert: «Auch kürzere Strafen müssen unbedingt ausgesprochen werden können.»

Kaum zu glauben: Bei angeblicher «Schuldunfähigkeit» oder «mildernden Umständen» können Vergewaltiger sogar mit einer Geldstrafe davonkommen. Als «strafmildernd» gilt nach neuem Gesetz etwa, wenn der Vergewaltiger «ernsthaft in Versuchung geführt wurde» oder wenn er nach einer «heftigen Gemütsbewegung» gehandelt habe.

Das soll sich jetzt ändern. Die SVP hat am 19. März eine «ausserordentliche Session über die Verschärfung des Strafrechts» beantragt. Die jüngsten Gewalttaten, darunter das Tötungsdelikt von Wiederholungstäter Daniel H., hätten gezeigt, dass es «eine grundlegende Korrektur» des Strafgesetzes brauche.

Auch linke Politiker wollen eine härtere Gangart. SP-Nationalrätin Chantal Galladé: «Schwere Sexualstraftäter dürfen keine bedingten oder teilbedingten Strafen erhalten.» Ihre Forderung: «Eine gesetzliche Mindeststrafe von drei Jahren für Vergewaltiger».

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Foto: Ian Sanderson