VON CLAUDIA MARINKA

Im September hatte sie ihren ersten Fernsehauftritt: Livereporterin Raschida Bouhouch besuchte ein anatolisch-alevitisches Kulturzentrum in Winterthur. Die an der ETH Zürich promovierte Biologin ist schweizerisch-marokkanischer Herkunft und Muslimin. Sie gibt der neuen Ausrichtung beim Schweizer Fernsehen ein Gesicht: «Junge Gläubige anderer Religionen sind als Laienreporter unterwegs», sagt Nathalie Wappler, Redaktionsleiterin der SF-Sternstunden.

Konkret geht es um die Sendung «Bilder zum Feiertag», 4-minütige Kurzreportagen, die 6- bis 8-mal im Jahr ausgestrahlt werden. Sie sollen einen Einblick in Feste und Rituale all derjenigen Religionen und Konfessionen geben, die nicht im «Wort zum Sonntag» vertreten sind: Zum Beispiel Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus, christlich-orthodoxe Kirchen.

Nun will man noch weiter gehen. «Wir erarbeiten ein neues Konzept und wollen Integration stärker gewichten und zum Thema machen. Das bedeutet, dass wir ein längeres, separates Format entwickeln möchten, das wir in einer stärkeren Regelmässigkeit ausbauen können», sagt Wappler. Das Konzept will sie Ende Februar dem Kulturchef und der Geschäftsleitung unterbreiten. «Integration ist ein wichtiger Auftrag im Service public. Der aber soll eben nicht nur bildungsbürgerlich daher kommen, sondern lebensnah.

Dazu gehört auch, dass wir Konflikten nicht ausweichen. Es kann sein, dass unsere muslimische Reporterin einen Appenzeller Stammtisch besucht und dort mit den Leuten spricht, auch über heikle Themen», so Wappler. Ausserdem will sie auch den etwas verstaubten Sendetitel überarbeiten. «In den nächsten Wochen lancieren wir auch eine eigene Homepage.»

Die Sendung «Das Wort zum Sonntag» bleibe derweil so bestehen. Wappler: «Es wird kein ‹Wort zum Freitag› geben. Wir versuchen vielmehr mit anderen Mitteln, auch nicht-christlichen Kulturen eine Stimme zu geben, auch wenn das mehr polarisiert», sagt Wappler.

Die Idee kommt an. «In Zeiten der Globalisierung und weltweiter Migrationsbewegungen ist eine Öffnung des Schweizer Fernsehens auf andere Religionen selbstverständlich», sagt Charles Martig vom katholischen Mediendienst. Und Martin Peier von den reformierten Medien ist überzeugt: «Dass gerade auch fremde Religionen oder andere Glaubensgemeinschaften zu Wort kommen, ist ein Beitrag an den gesellschaftlich wichtigen Gesprächen über Kulturgrenzen hinweg; das unterstützen wir.»

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