Medizinhistoriker Christoph Mörgeli sei von der Universität Zürich «in eine Falle gelockt worden». Diesen Verdacht äussert Mörgelis Anwalt Valentin Landmann im Interview mit dem «Sonntag» (siehe Interview).

Landmann vermutet, dass Mörgeli mit Indiskretionen aus dem akademischen Bericht seines Vorgesetzten gezielt provoziert worden sei: «Wer Mörgeli kennt, wusste, wie er auf die Vorwürfe reagiert. Also steht man ihm derart auf die Füsse, dass er sich wehrt, und dann hat man ihn am Wickel.» Erhärtet werde der Verdacht dadurch, dass «Der Sonntag» bereits vor einer Woche wusste, dass die Universität Mörgeli entlassen wird: «Die Meinungen waren längst gemacht».

Die Universität Zürich betonte gestern Samstag erneut, der Entscheid, Mörgeli zu entlassen, sei erst am Montag gefallen. Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli sagte in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger», sie sei über den Entlassungsentscheid informiert worden. «Sonntag»-Recherchen zeigen, dass der Zürcher Regierungsrat bereits Anfang September über das «Dossier Mörgeli» diskutierte. Was dabei genau besprochen wurde, ist unklar.

Regierungsrätin Aeppli und Universitätsrektor Andreas Fischer sind am Donnerstag vor die Aufsichtskommission für Bildung unter der Leitung des FDP-Kantonsrats Hans-Peter Portmann geladen. «Wir wollen prüfen, ob in diesem brisanten Fall die Aufsichtspflichten korrekt wahrgenommen wurden», so Portmann. «Ob wir eine Untersuchung starten, steht noch nicht fest».

In der SVP sorgt derweil für Unmut, dass der Fall Mörgeli mit einem Communiqué der SVP Schweiz zum nationalen Thema gemacht wurde. «Da gab es offensichtlich Druck der Zürcher SVP», sagt ein Parlamentsmitglied. Das sei «eher schwierig». Dass sich Christoph Blocher äusserte, wird nicht verstanden. Die Zeit sei gekommen, seine Rolle in der Partei unter die Lupe zu nehmen. SVP-Generalsekretär Martin Baltisser sagt: «Am Freitag entschieden wir, dass die Schweizer SVP etwas zu den Vorgängen sagen muss. Wir wollten SVP-Politikern in öffentlichen Ämtern das Signal geben, dass sie nicht zum Abschuss freigegeben sind und die Partei hinter sich haben.» Die Basis, so Baltisser, sei von den Vorfällen «sehr aufgewühlt».

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