VON SACHA ERCOLANI

209 Wochen stand Martina Hingis (29) an der Spitze der Tennis-Weltrangliste – von den Top 100 der internationalen Model-Liga ist das Ausnahme-Talent jedoch noch weit entfernt: «Bisher hat leider noch kein Kunde Martina bei uns gebucht», bestätigt Ursula Knecht auf Anfrage. Seit Januar steht Hingis in den Diensten der Inhaberin der renommierten Zürcher Modelagentur Option. Und da ist sie eigentlich auch in bester Gesellschaft: Ursula Knecht hat das Auge für Stars, sie entdeckte und managte unter anderem Topmodels wie Julia Saner (18), Patricia Schmid (25) oder Nadine Strittmatter (25) – und vertritt in der Schweiz internationale Stars wie Gisele Bündchen (29) oder Diane Kruger (33).

Doch mit diesen Laufsteg-Stars kann Hingis nicht mithalten – sie entspricht mit 1,70 m und 59 kg nicht gerade dem Bild eines Models. Knecht sieht es anders: «Martina hat ein ungemein fotogenes Gesicht. Und aufgrund ihres Bekanntheitsgrades sehe ich für sie grosse Chancen in der Produktwerbung.»

Aber auch als Produkte-Model, da, wo vor allem auf Image und Glaubwürdigkeit geachtet wird, ist es für Hingis schwer: Ihr wurde die Einnahme von Kokain aufgrund eines positiven Tests beim Turnier von Wimbledon 2007 vorgeworfen. Martina bestritt bei ihrem Rücktritt die Vorwürfe und meinte, dass man ihr das Kokain in ihren Orangensaft getan hätte. Und privat machte die Ostschweizerin vor allem mit unzähligen wechselnden Partnern Schlagzeilen – zuletzt mit der Auflösung der Verlobung mit Anwalt Andreas Bieri (38), die nur 6 Wochen gedauert hatte.

«Ich will Martina zwar nicht mit Tiger Woods vergleichen, aber wenn ein negatives Image einmal in der Öffentlichkeit ist – ob wahr oder nicht –, ist es vor allem für einen Weltstar sehr schwer, Werber zu finden, welche bereit sind, ein Risiko einzugehen», befürchtet der Walliser TV-Produzent und Werber Roman Wyden (40). Er lebt seit 8 Jahren in Los Angeles und leitet die renommierte Werbeagentur Creable, welche Mandate für internationale Grossfirmen wie Procter & Gamble oder Chrysler betreut. «Schlussendlich geht es ja immer um das Image, und dieses ist bei Martina in der Wahrnehmung der Menschen nicht gerade super – wir würden sie für keine unserer Kampagnen buchen.»

Multimillionärin Hingis wird es jedoch trotz Auftragsflaute nicht langweilig, sie verbringt momentan viel Zeit mit ihren Pferden und bestreitet auf der ganzen Welt Spring-Turniere. Schon in den nächsten Wochen verreist sie dafür wieder für mehrere Tage nach Monte Carlo. Und Ursula Knecht glaubt trotz allen Startschwierigkeiten noch immer an ihren Schützling: «Ich bin nach wie vor von Martinas Potenzial überzeugt.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!