VON CLAUDIA MARINKA

Hanspeter Moser ist gelernter Maschinenschlosser. Dann trat er als Lokführer in den Dienst der SBB ein. Das war vor 20 Jahren. Seine Lehre dauerte vier Jahre. Heute braucht es lediglich eine dreijährige Berufsausbildung. Neu sogar nur noch eine zweijährige. Geht es nach der neusten Revision, die gegenwärtig in der Vernehmlassung ist, soll dies zudem bereits mit 19 Jahren möglich sein.

Die neue Verordnung über die Zulassung zum Führen von Triebfahrzeugen der Eisenbahnen (VTE) regelt, welche Bedingungen zu erfüllen sind, um ein Eisenbahnfahrzeug zu führen. «Durch Verkürzung der Ausbildung und Herabsetzen der Mindestanforderung unter das europäische Niveau werden unsere Bahnen nur unwesentlich billiger, verlieren aber an ihrer sprichwörtlichen Sicherheit», kritisiert Hubert Giger vom Verband Schweizer Lokomotivführer (VSLF).

Zum Vergleich: Das Mindestalter für das Führen eines Strassenfahrzeuges mit mehr als acht Personen beträgt 21 Jahre. «Doch ein Zug von 800 Tonnen mit 1000 Passagieren und 200 Stundenkilometer soll einem 19-Jährigen anvertraut werden», so Giger.

Die SBB weisen einen befürchteten Qualitätsverlust von sich. «Relevant für die Qualität sind weiterhin die strengen Vorbedingungen für die Ausbildung und das erfolgreiche Absolvieren der Prüfung. Fachlich gehen die Bahnen und Aufsichtsbehörden keine Kompromisse ein», so Roman Marti von den SBB. Verantwortlich für die Aufnahmeprüfungen, Probefahrten und periodischen Prüfungen ist das Bundesamt für Verkehr.

«Eine Zulassung wird nur ausgesprochen, wenn neben dem theoretischen Wissen auch die Umsetzung in die Praxis mit einer praktischen Prüfung erfüllt ist. Es ist den Eisenbahnunternehmen überlassen, ob sie von sich aus ein höheres Mindestalter vorschreiben wollen», sagt Sprecher Gregor Saladin. Für den Lokführer Hanspeter Moser zumindest ist klar: «Die Hürden, Lokführer zu werden, sind zu tief angesetzt.»