Wegen des Betrugs entstand der Bank ein Verlust von 5 Millionen Franken. Am 16. Dezember entscheidet zudem das Bezirksgericht Zürich über eine Strafuntersuchung gegen Revisoren und ehemalige Kader der Bank.
VON ARTHUR RUTISHAUSER

Der Gewinn des Vontobel-Private-Bankings ist im ersten Halbjahr um 69 Prozent auf 9,9 Millionen Franken eingebrochen. Hintergrund ist – neben der Finanzkrise – ein Betrugsfall, der zu einem Verlust von 5 Millionen Franken führte, wie Recherchen zeigen.

Ursache für den Verlust ist ein geplatzter Lombardkredit. Bei einem Lombardkredit leiht die Bank ihrem Kunden Geld gegen die Hinterlegung von Sicherheiten, beispielsweise Aktien oder sonstige Wertpapiere.

Normalerweise belehnt eine Bank diese Papiere etwa zur Hälfte. Wenn der Wert der Sicherheit unter eine bestimmte Marke sinkt, dann löst das so genannte Marging Calls aus. Dies bedeutet, der Kunde muss Geld nachschiessen.

Im fraglichen Fall ist das aber nicht geschehen. Offenbar hat ein fehlbarer Angestellter den Wert der Sicherheit manipuliert, damit der Marging Call nicht ausgelöst wurde. Irgendwann aber platzte der Kredit trotzdem – und der Bank entstand ein Verlust von 5 Millionen Franken.

Bei der Bank Vontobel wird der Fall als gravierend eingestuft. Pressesprecher Jürg Stähelin sagt zum «Sonntag»: «Angesichts des groben Fehlverhaltens, das auf krimineller Energie basiert, haben wir uns fristlos vom Mitarbeiter getrennt.

Zusätzlich wurde dafür gesorgt, dass die Thematik von der Staatsanwaltschaft aufgenommen wurde. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) wurde über den Vorfall im Rahmen der regelmässigen Kommunikation über den Halbjahresabschluss informiert.»

Gewechselt hat auch die Führung des Private Bankings. Allerdings sagt Stähelin: «Es besteht keinerlei Zusammenhang zwischen der personellen Veränderung an der Spitze des Private Bankings und dem Abschreiben von 5 Millionen Franken.»

Die Einsetzung des neuen Leiters Private Banking, Peter Fanconi, übernahm die Leitung per 1. März 2009. «Der Abschreiber musste später vorgenommen werden», sagt Stähelin. Sein Vorgänger, Walter Thoma, wurde danach als Berater weiterbeschäftigt, kürzlich ist er aber aus der Firma ausgeschieden.

Weiter kommt ein Rechtsfall der Bank Vontobel aus dem Jahre 2002 endlich vor Gericht. Dabei geht es um die Affäre um die Private Equity Holding, die vom Vontobel-Management geführt wurde. Die Verhandlung findet vom 16. bis 18. Dezember statt. Angeklagt sind zwei ehemalige Manager und zwei Revisoren von PricewaterhouseCoopers.

Dabei geht es, laut Anklageschrift, um eine schwindelhafte Kapitalerhöhung von 138,8 Millionen Franken im Jahr 2000, den Verkauf der neuen Aktien an Bankkunden und um Investitionen von 37 Millionen Mark in die Technologiefirma Wichmann.

Das alles liege in der Verantwortung der beschuldigten Manager, findet der Staatsanwalt. Die PwC-Revisoren sind angeklagt, weil sie die Jahresabschlüsse ohne Vorbehalt testiert hatten.
Die Bank Vontobel, welche die fraglichen Manager 2002 mit Getöse entlassen hat, ist heute nicht mehr interessiert an einer Verurteilung.

Denn sonst könnten Aktionäre, die damals an der Kapitalerhöhung mitgemacht hatten, Vontobel einklagen. Stähelin: «Es handelt sich um ein Strafverfahren gegen das ehemalige Management. Als ehemaliger Arbeitgeber ist die Vontobel-Gruppe auch vom Verfahren betroffen.» In einem immer geheim gehaltenen Fall hat die Bank Vontobel übrigens bereits gezahlt.