Diesen Mittwoch im Bundeshaus: Elisabeth Kopp ist eine gefragte Interviewpartnerin. Kompetent analysiert sie für Tele Top die Wahlen. Drei Jahre nach dem Tod ihres Ehemannes tritt sie wieder vermehrt öffentlich auf. Am Freitag konnte sie dann ihren 75. Geburtstag feiern, doch ein nervenaufreibender Rechtsstreit belastet sie. Das zeigen Recherchen des «Sonntags». Thomas Schönenberger, der ehemalige Finanzberater von Hans W. Kopp, betreibt die Alt-Bundesrätin auf fast zwei Millionen Franken. Es geht um angebliche Honorarforderungen. Zudem besitzt er einen Schuldbrief auf das Grundstück der Kopp-Villa Drei Eichen in Zumikon ZH.

Der Finanzberater galt als Retter der Villa. Er habe in letzter Minute die Zwangsversteigerung verhindert, hiess es in den Medien. Der drohende Rauswurf aus ihrem «Paradies», wie es Elisabeth Kopp nannte, sorgte vor rund fünf Jahren für Schlagzeilen. Von rund 13 Millionen Franken Schulden war damals die Rede.

Jetzt will Schönenberger der Alt- Bundesrätin ans Portemonnaie. Er behauptet, einen schriftlichen Vertrag mit Hans W. Kopp abgeschlossen zu haben, Bis zu seinem Tod habe er nicht bezahlt, so Schönenberger. Witwe Kopp habe ihm nur 100 000 Franken angeboten. Das habe er als Ohrfeige empfunden.

Elisabeth Kopp will auf Anfrage keine Stellung nehmen. Es heisst, die Situation im Zusammenhang mit der Villa und den Schulden belaste sie zu stark. Erstmals überhaupt tritt deshalb ihre Tochter Brigitt Küttel als Sprecherin der Erbengemeinschaft an die Öffentlichkeit. Sie stellt klar: «Meine Mutter und nicht Herr Schönenberger hat die Villa damals gerettet. Es gelang ihr 24 Stunden vor der Zwangsversteigerung, ein Darlehen aufzutreiben.» Die Tochter will die Arbeit des Finanzberaters nicht kleinreden. «Herr Schönenberger hat sicher viel Arbeit für meinen Vater geleistet, der sich damals finanziell und gesundheitlich in einer schwierigen Situation befand».

Sie bestätigt auch, dass es einen Vertrag gibt, der aber nicht klar formuliert sei. Dementiert wird von ihr, dass ihre Mutter «nur» 100 000 Franken angeboten habe. Brigitt Küttel: «Zusammen mit dem, was er bereits erhalten hat, wäre es über eine halbe Million gewesen.

Der Wert der Kopp-Villa wird auf über 10 Millionen Franken geschätzt. So bleibt die Frage: Was hindert die Erbengemeinschaft aus Mutter und Tochter Kopp an einem Verkauf? «Im Herbst hatten wir einen ernsthaften Interessenten. Aber er hat sich zurückgezogen, weil Herr Schönenberger mit seinem Schuldbrief zu viel Risiko beinhaltet», sagt Küttel.

Konkret: Der Schuldbrief bedeutet eine zusätzliche Hypothek. Kopps sind der Meinung, dass der Finanzberater sich den Schuldbrief unrechtmässig beschafft hat. Küttel: «Wir haben vor Gericht die Herausgabe des Dokuments verlangt. Erst wenn das bereinigt ist, besteht eine realistische Chance, das Haus zu verkaufen.» Mutter und Tochter sind sich bewusst, dass die Villa immer mehr an Wert verliert, wenn sie noch länger leer steht.

Das Erbe von Hans W. Kopp wollten sie dennoch nicht ausschlagen – auch wenn es ihnen viel Ärger erspart hätte. «Meine Mutter konnte das nicht. Sie findet, dass sie dies ihrem Mann über den Tod hinaus schuldig ist. Sie fühlt sich auch gegenüber den Gläubigern verantwortlich. Ich wiederum kann meine Mutter nicht im Stich lassen. Unsere Familie tickt einfach so», sagt Küttel.

Schönenberger hat einem Treffen mit dem «Sonntag» zuerst zugestimmt. dann aber wieder abgesagt. Fragen will er plötzlich nicht mehr beantworten. Der Mann für «Finanzierung in schwierigen Zeiten», wie er sich selber anpreist, hinterlässt kaum Spuren, auch im Handelsregister nicht. Nur einmal tauchte er vor Jahren im Telefonbuch auf – als «einfacher Bruder». Da war Schönenberger ein Mitglied der evangelikalen Freikirche «Gemeinde Christi Zürich». Doch beim Thema Geld hört beim frommen Finanzberater die Nächstenliebe auf.

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