«Der Wein ist nichts Schädliches, zumindest bei ihm – ich spreche nicht von Bier oder Spirituosen – gibt es eigentlich keine Rechtfertigung für ein Verbot.» Es gebe zwar Genossenschafter, die das Alkoholverbot als Wert schätzen würden. Er teile diese Meinung aber nicht. «Problematisch finde ich, wenn Coop den Jungen in ihren Shops auch spät in der Nacht Alkohol verkauft. Aber Wein in den Regalen zu haben, mit Schweizer Weinbauern zusammenarbeiten: Das wäre absolut unproblematisch.»

Bereits heute verkauft die Migros über verschiedene Kanäle Alkohol – von Migrolino, Globus bis hin zu Denner und LeShop. «Das ist der Kompromiss, den wir gefunden haben: Im orangen M gibt es keinen Alkohol», sagt der Romand, der Ende Juni das Präsidium nach zwei Amtszeiten altershalber abgibt.

Füllt die Migros ihre Regale also schon bald mit Bordeaux- und Fendant--Flaschen? Schliesslich müsste dieser Schritt von den Migros-Delegierten gutgeheissen werden. Hauser: «Das ist schwer zu sagen. Aber die Zeiten ändern sich. Heute gibt es noch Genossenschafter, die Duttweiler persönlich erlebt haben. Meine Enkel werden zwar noch etwas von ihm hören, aber die Migros wird keine Religion mehr sein.» Den Verkauf von Tabak – ein weiteres «Dutti»-Tabu – lehnt Hauser ab: «Das ist etwas ganz anderes. Tabak gefällt mir nicht, jede Zigarette schadet der Gesundheit.»

Firmengründer Gottlieb Duttweiler wehrte sich stets gegen den Verkauf von Alkohol. So schrieb er 1947: «Wie viel geistiges, körperliches und Schuldenelend, wie viel Familienunglück hat unmässiger Alkoholgenuss auf dem Gewissen!» Hauser relativiert: «Heute ist der Alkoholkonsum nicht mehr das grosse gesellschaftliche Problem.»

Ausserdem kritisiert der Migros-Präsident das aggressive Vorpreschen der deutschen Harddiscounter Aldi und Lidl scharf: «Das sind Kriegsmaschinen.» Sie würden stets nach dem gleichen Schema expandieren. «Sie kommen, kaufen Land und stellen ihr Konzept auf 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche und 100 Parkplätze hin.» Es habe in jedem Land Platz für einen Harddiscounter, und in der Schweiz hätten Aldi und Lidl heute vier bis fünf Prozent Marktanteil. «Viel mehr sollten es aber nicht werden.»

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