VON SACHA ERCOLANI

Schönheitskönig Jan Bühlmann (22) weiss genau, was er will: «Nach meiner Amtszeit als Mister Schweiz möchte ich direkt nach London und dort am Shakespeare College eine solide Ausbildung als Schauspieler absolvieren», so der Luzerner selbstbewusst zum «Sonntag». «Um mich optimal vorzubereiten, werde ich aber vorher für das Proficiency-Sprachdiplom büffeln und mich in die Literatur der Schauspielerei einlesen.»

Auch Kurse am Broadway in New York interessieren Jan. Der US-Filmtraumfabrik Hollywood hingegen will der Singlemann fernbleiben: «Bekannte Schweizer, die glauben, sie können in Los Angeles schnell einmal als Schauspieler Karriere machen, finde ich naiv – diesen Fehler begehe ich garantiert nicht.»

Denn in erster Linie sei es doch vor allem enorm wichtig, dass man die Filmsprache Englisch «mit all ihren Finessen» perfekt beherrsche und langjährige Bühnenerfahrung sammle. Damit SPRICHT Bühlmann wohl die ehemaligen Schweizer Schönheitsköniginnen an, welche ihr Schauspielglück verzweifelt in Kalifornien suchten.

Nachdem sie als Hauptdarstellerin in der RS-Komödie «Achtung, fertig, Charlie!» einen ersten Kinoerfolg feierte, wollte Melanie Winiger (31) 2004 Hollywood-Luft schnuppern und zügelte kurz entschlossen mit Sohn Noël (8) nach Kalifornien. Dabei war sie voller Hoffnungen: «Ich träume vom Oscar.»

Der Traum platzte jedoch schon nach wenigen Monaten, denn in Amerika wollte kein Filmproduzent oder Regisseur der attraktiven Brünetten eine Rolle geben. Immer wieder war an den Castings angeblich ihre Englisch-Aussprache ein Problem. Melanie vertrieb sich die Zeit mit teuren Lektionen bei der renommierten Lee-Strasberg-Schauspielschule und kam mehr oder weniger pleite in die Schweiz zurück.

Der Bündner Ex-Miss Nadine Vinzens (28) erging es bisher mit ihrem Dialekt nicht besser, und auch Ex-Miss-Schweiz Lauriane Gilliéron (26) flimmerte noch nicht als Darstellerin einer Hollywood-Produktion über die internationalen Kinoleinwände. Laurianes Vorteil: Sie hat noch ein beachtliches finanzielles Polster, um ihren Traum weiterzuleben.

Schweizer Schauspieler wie Daniel Bernhardt (45, «The Matrix Reloaded») oder Yangzom Brauen (30), die in der US-Filmstadt Los Angeles erfolgreich arbeiten, sind an einer Hand abzuzählen. «Das Geschäft ist härter als irgendwo anders, denn die Konkurrenz ist gross. Die Menschen kommen von der ganzen Welt nach L. A., um ihren Traum zu verfolgen.

Es kann schon bis zu fünf Jahre dauern, um eine Rolle zu kriegen», sagt die Bernerin Yangzom Brauen, die an der Seite von Oscarpreisträgerin Charlize Theron im Kinoknüller «Aeon Flux» spielte. «Der neue Mister Schweiz hat recht: Mit einem Akzent ist man schon mal begrenzt, denn die meisten Rollen verlangen ein akzentfreies Amerikanisch.»

Jan Bühlmann ist bereit, sich nach seinem Mister-Jahr vorerst seine Sporen auf den Theaterbühnen abzuverdienen. «Fast jeder erfolgreiche Filmstar ist auch ein guter Bühnendarsteller», weiss Bühlmann.

Im Film könne man jede Einstellung mehrmals drehen, bis sie gut sei, «auf der Bühne müssen Text und Schauspiel jedoch von A bis Z sitzen». Sollte ein Filmemacher dem schönsten Schweizer eine Kinorolle anbieten, wird Jan sich dies gründlich überlegen: «Wenn ich mich dazu fähig fühle, würde ich natürlich zusagen.»

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