Herr Schweiger, was machen Sie an einem typischen Sonntagabend?
Til Schweiger: Ich hab keine Rituale, weil der Sonntag für mich ein Tag ist, der keine besondere Bedeutung hat. Mein Leben ist völlig unstetig. Ich habe auch keinen 9-to-5-Job von Montag bis Freitag und arbeite oft am Wochenende. So habe ich auch mal an einem Montag oder einem Mittwoch frei. Dass Wochenende ist, bemerke ich fast nur daran, dass die Geschäfte geschlossen haben.

Der «Tatort» am Sonntagabend ist kein Fixpunkt für Sie?
Nein. Definitiv nicht.

Noch nicht. Sie sind als neuer «Tatort»-Kommissar für Hamburg im Gespräch.
Gerüchte kommentiere ich nicht.

Aber ein solches Angebot würde man doch nicht einfach so ignorieren können, oder?
Okay, man würde darüber nachdenken. Aber wo kein Angebot ist, kann man ja auch nicht darüber nachdenken.

Wenn man sieht, was Sie alles machen, könnte man auf die Idee gekommen, Sie seien ein Workaholic.
Nein, bin ich nicht. Ein Workaholic ist jemand, der nur glücklich ist, wenn er arbeitet. Mir geht es auch sehr gut, wenn ich nicht arbeite. Wenn ich dann was mache, versuche ich es sehr gewissenhaft zu tun. Klar, die letzten Jahre waren schon sehr heftig, weil ich jedes Jahr einen Film selbst inszeniert habe und dann auch noch bei anderen mitgespielt habe.

«Der bewegte Mann» wurde zu einem stehenden Begriff. Werden Sie heute immer noch darauf angesprochen?
Auf diesen Film weniger als auf «Manta, Manta», obwohl er ungleich erfolgreicher war.

Was spielen Sie lieber, den Bösen wie in «King Arthur» oder den Frauenhelden?
Ich spiele lieber den Guten als den Bösen. Den Bösen spielt man als Europäer in amerikanischen Filmen gezwungenermassen, den Guten spielen immer die Amerikaner.

Sie geben ja manchmal auch den Charakter des Mannes, der einen Frauenverschleiss hat. Können solche Männer eigentlich treue Ehemänner werden?
Da muss man jetzt erst mal definieren, was Frauenverschleiss ist. Das hört sich ja furchtbar an. Ich hatte jedenfalls nie das Gefühl, dass ich Frauen verschleisse. Die Beziehungen, die ich hatte, waren eigentlich eher länger. Ich war 13 Jahre verheiratet, das bringen heute auch nicht mehr alle hin. Meine Freundinnen hatte ich meist länger als ein Jahr.

Sie haben es als einer der wenigen Stars geschafft, dass Ihre Trennung nicht in einer Schlammschlacht ausgeartet ist.
Diejenigen, die es nicht schaffen, sind halt doof und lassen sich von der Presse gegeneinander ausspielen. Dann erst gibt es Schlagzeilen wie «Jetzt rede ich» oder «Die Wahrheit über xy». Da gibt es nur einen Gewinner: die Presse. Die Beteiligten sind nur die Verlierer.

Sie präsentierten an den Charles Vögele Fashion Days eine Modekollektion, die Sie selber entworfen haben. Fuchteln Sie selber mit der Schere herum?
Nein, mit der Schere habe ich nicht rumgefuchtelt, das wäre fatal. Weil ich keine Schneiderausbildung habe. Ich habe auch nicht gezeichnet, weil ich das auch nicht kann. Ich bin mit den Designern zusammengesessen und habe die verschiedenen Materialien ausgesucht und die Schnitte besprochen und die Kleinigkeiten, die halt ein Kleidungsstück ausmachen. Ein weisses T-Shirt ist ja nicht ein weisses T-Shirt.

Einen Knopf annähen können Sie aber?
Ja, das kann ich. Das habe ich bei der Bundeswehr gelernt. Eine der wenigen guten Sachen, die ich dort gelernt habe.

Was macht Ihre Kollektion so typisch schweigerisch?
Schweigerisch macht sie, dass ich versucht habe, sie so schlicht wie möglich zu machen, dass sie auch erschwinglich ist, also keine Haute Couture, sondern Prêt-à-Porter.

Spiegelt das auch Ihr eigenes Kaufverhalten wider, dass Sie nicht immer gleich zu Hugo Boss greifen müssen?
Ich muss gar nicht bei Boss einkaufen, weil die mich noch immer ausstatten. Ansonsten kaufe ich mir schon mal ein teureres Kleidungsstück, aber in der Regel freue ich mich immer, wenn ich was Schönes gefunden habe, das preiswert ist.

Für welchen Typ Mann haben Sie die Teile gemacht?
Für einen Typ Mann, der sich nicht über Marken definiert. Heute habe ich einen Mann im Flieger gesehen, der war von oben bis unten in Lacoste eingekleidet, überall stand Lacoste drauf. Der Typ sah einfach nicht gut aus, obwohl er viel Geld für die Kleider ausgegeben hat.

Was ist für Sie denn guter Stil?
Guter Stil ist, wenn die Klamotten im Idealfall gar nicht auffallen. Sie sollten jemanden einfach anziehen. Schlichte Sachen eben. Auch bei Frauen finde ich ein schlichtes schwarzes Kleid schöner als ein lachsfarbenes mit tausend Rüschen und Accessoires. Das ist halt Geschmackssache.

Was ist anstrengender und herausfordernder: modeln und entwerfen oder filmen und Regie führen?
Wenn man einmal über den Laufsteg geht, macht das Spass. Das wäre aber nicht ein Beruf für mich, den ich professionell machen möchte. Fotos machen ist für mich mehr ein notwendiges Übel. Mach ich gerne Fotos? Nein. Bin ich gerne auf dem roten Teppich und lasse mich fotografieren? Nein. Mach ich gerne Filme? Ja. Filmen macht mir definitiv mehr Spass als modeln.

In der Schweiz haben es Stars wie Michael Schumacher oder Tina Turner ruhiger. Wäre ein Umzug für Sie eine Option?
Als wir aus Amerika zurückgekommen sind, haben wir überlegt, ob wir nach Zürich kommen sollen. Wir haben auch eine Immobilie gesucht, aber das war einfach unendlich teuer. Das, was wir ausgeben wollten, stand in keinem Verhältnis zu dem, was es gekostet hätte. Diese Stadt ist einfach wunderschön und wahnsinnig entspannt. Ich habe ausserdem einige Freunde in Zürich.

Baschi hat Ihnen für «Zweiohrküken» den Song «Unsterblich» geliefert. Haben Sie noch Kontakt mit ihm?
Seither leider nicht mehr. Lasst ihn von mir grüssen! Baschi ist ein toller Künstler, der einen grossartigen Song geschrieben hat. Den hab ich gerne in meinen Film genommen.

Er könnte der Til Schweiger der Schweiz werden...
Es gibt es tatsächlich viel öfter, dass sich ein Sänger als Schauspieltalent entpuppt als umgekehrt. Ich jedenfalls kann nicht singen.

Wie gut kennen Sie den Schweizer Produzenten Bernhard Burgener ?
Ich kenne und schätze ihn sehr. Das ist ein sehr netter Mensch. Aber geschäftlichen Kontakt habe ich keinen, weil ich mit meiner Firma ja fest mit Warner Brothers verbandelt bin. Ich kann mit Constantin Films, an der Burgener beteiligt ist, gar nichts machen.

Was sagt Ihnen der von Burgener produzierte Film «Sennentuntschi»?
Wie heisst der Film?

«Sennentuntschi» von Regisseur Michael Steiner. Da geht es um eine weibliche Puppe, an der sich Männer auf einer Alp vergehen und die sich dann an ihnen rächt.
Ach was? Michael Steiner kenne ich von früher. Ist das eine Komödie?

Mehr ein Thriller.
Krieg ich den hier als Kauf-DVD? Den muss ich haben.

Obwohl Sie Millionen von Menschen in die Kinos ziehen, finden Ihre Filme im klassischen Feuilleton kaum statt und werden verrissen. Ärgert Sie das?
Ich kanns ja nicht ändern und muss damit leben. Aber ärgern tut es mich schon. Ganz oft sagen Leute, die zwar das Feuilleton lesen, aber noch nie einen Film von mir gesehen haben: Das ist schlecht. Und kaum haben sie dann einen Film gesehen, sagen sie: Der ist ja richtig gut! Ich hab ja selber nie etwas anderes behauptet. Ich mach ja nicht nur Filme für Feuilleton-Leser. Meine Filme sind übergreifend. Und wenn jemand aus persönlichen Gründen einfach die Unwahrheit über einen Film von mir schreibt, ärgert mich das.

Was ist die Unwahrheit?
Wenn jemand schreibt, der Film sei schlecht gespielt – dabei spielen da nur tolle Schauspieler mit. Oder wenn einer sagt, der Film ist nicht schön inszeniert. Dabei gibt es wenige deutsche Filme, die so elegant und mit so viel Mühe und Liebe ausgeleuchtet sind wie meine. Das hat auch nichts mehr mit Journalismus zu tun, sondern mit persönlichen Animositäten eines Redakteurs. Das ärgert mich, logisch.

Warum werden Sie vom Feuilleton so hart angegangen?
Das Problem ist in der Regel ganz einfach und banal: Es ist Neid. Der hat was, was ich nicht habe. Der hat in der «Lindenstrasse» angefangen und dann «Manta, Manta» gemacht, den kann man gar nicht ernst nehmen. Und jetzt ist er auch noch der erfolgreichste Regisseur und Produzent. Dann sieht er auch noch gut aus und hat eine hübsche Freundin. Und hat sich mit seiner Frau keine Schlammschlacht geliefert. Das ist für die zu viel des Guten. De facto kann man doch nicht behaupten, «Keinohrhasen» sei kein guter Film. Das ist ein Super-Film! Darum will ihn Hollywood ja auch remaken.

Fühlen Sie sich von den Kritikern unter Wert geschlagen?
Nein, nein. Ich bin einfach erstaunt, wenn derselbe Mann, der meine Filme schlecht findet, einen anderen Film als Kunstwerk hinstellt, den ich total schlecht fand. Dann denk ich mir: Okay, wir leben auf zwei Planeten.

Ist es mühsam für Ihre vier Kinder, wenn Sie mit Häme bedacht werden?
Kein Kind hört es gerne, wenn über seinen Vater schlecht geredet wird. Aber es passiert ja nicht so oft. Und meine Kinder lesen das Feuilleton nicht. Im Verhältnis zwischen Vater und Kinder ist die Zuneigung ja ungleich höher als die Abneigung. Was meine Kinder mehr nervt, ist, dass ihr Vater überhaupt in dem Beruf arbeitet.

Warum?
Wenn sie mit mir in der Stadt sind, laufen plötzlich Leute hinter uns her und wollen Fotos machen oder Autogramme haben. Das nervt die Kinder natürlich.

Was sind Sie für ein Vater?
Ein guter Vater. Geduldiger, als wenn ich einen Film mache. Ich bin verständnisvoll und gebe ihnen viel Vertrauen und Liebe mit.

Haben Sie dafür überhaupt Zeit?
Jeder berufstätige Vater, der seine Kinder liebt, hat das Gefühl, er habe nicht genügend Zeit. Ich mit meinem Beruf sowieso.

Welche Erziehungsgrundsätze sind Ihnen wichtig?
Meine Kinder sollen Selbstvertrauen haben und sich für Schwächere einsetzen, sich aber auch durchsetzen können. Damit meine ich nicht durchboxen, sondern sich wehren können. Das gelingt mir auch ganz gut.

Werden Sie Ihren Kindern auch auf den Weg mitgeben, dass Monogamie nicht erstrebenswert ist?
Über das Thema haben wir noch nicht miteinander geredet. Es ist immer das erstrebenswert, was man vom Herzen her machen möchte. Ich werde mich aber nicht hinsetzen und sagen: «Die Monogamie ist erstrebenswert!» Ich habe es ja selber nicht vorgelebt. Aber wer das von Herzen gerne lebt, ist doch super. Wer es nicht leben kann, ist deswegen kein Versager und kein Schwein.

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