AUFGEZEICHNETVON FELIX BINGESSER

«Welcher sportliche Bub träumt nicht von den Olympischen Spielen? Ja, auch ich habe davon geträumt. Jetzt bin ich seit Mittwoch in Vancouver. Seither hatte ich ganz viele Begegnungen in ungezwungener Atmosphäre. Wir haben den österreichischen und den slowenischen Sportminister getroffen. Und auch Verbandsvertreter. Viele internationale Sportverbände haben ja ihren Sitz in der Schweiz. Und da muss man die Kontakte pflegen. Mit René Fasel und Gian-Franco Kasper habe ich auch zwei Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees getroffen. Dazu werden Treffen mit Vertretern der Wirtschaftskammer und des Schweizerclubs in Kanada folgen.

Ich bin auch mit Nancy Greene zusammengesessen. Sie stammt aus Whistler Mountain und war 1968 Olympiasiegerin. Mittlerweile ist sie als Mitglied der Partei Senatorin im Parlament in Ottawa.

Beim Eishockey-Spiel Kanada -Schweiz war ich live im Stadion, danach waren wir beim Curling und dann beim Eiskunstlaufen. Am Freitag habe ich den Super-G der Männer gesehen und gestern waren wir an der Schanze und beim Langlaufrennen.

Die grossen Erfolge der Schweizer Sportlerinnen und Sportler zum Start der Spiele haben natürlich immense Erwartungen geweckt. Ich bin zwar nicht als Glücksbringer gekommen, aber ich bin überzeugt, dass es noch weitere Medaillen geben wird.

Medaillengewinne bei olympischen Spielen lösen nicht alle Probleme unseres Landes. Aber wenn eine Nation im Sport gut und erfolgreich ist, dann ist das schon ein Ausdruck von Leistungsfähigkeit. Es hat eine Strahlkraft weit über den Sport hinaus. Es gibt schon Parallelen vom Sport zur Politik. Hier wie dort darf man nicht ständig den Kopf einziehen, wenn man unter Druck ist. Sonst löst man keine Probleme. Ich hoffe, der Geist des Sports wird auch Auswirkungen auf das politische Leben haben. Für den Sport müsste man aber noch mehr tun.

Alle freuen sich, alle fiebern jetzt mit. Aber noch mehr Leute müssten sich für den Sport engagieren. Insgesamt müsste der Sport in unserem Land noch besser unterstützt werden. Ich erhoffe mir, dass der Sport auch politisch einen höheren Stellenwert erhält. Gerade solche Erfolge bei Grossanlässen sind inspirierend für junge Leute. Und können sie zum Sport bringen.

Am Freitag habe ich selber Sport betrieben und war auf den Langlaufski. Kanada ist ein wunderbares Land mit einer reizvollen Natur. Mein Sohn hat ja zwei Jahre hier gelebt. Wir waren auch schon in den Ferien hier. Wenn ich nicht in der Schweiz wohnen würde, könnte ich mir gut vorstellen, in Kanada zu leben.

Ich habe zu Beginn gesagt, dass ich als Bub von den Olympischen Spielen geträumt habe. Ein Traum wäre es auch, wenn Olympische Winterspiele in der Schweiz stattfinden würden. Ich mache die Tür dazu bestimmt nicht zu. Wenn man das wirklich durchziehen will, braucht es aber einen Rieseneffort, eine gesamtschweizerische Einigkeit.»

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