Kein Politiker hat so viele Feinde wie Christoph Blocher (70). Sie alle sehnen das Ende der Ära Blocher herbei – doch sie müssen ihre Hoffnungen wohl begraben. Denn die älteste Tochter des Volkstribuns, Magdalena Martullo-Blocher (42), die ihn bereits an der Ems-Spitze ablöste, wird nun auch als seine politische Nachfolgerin aufgebaut. Das erfuhr «Der Sonntag» aus mehreren zuverlässigen Quellen.

SVP-Präsident Toni Brunner sagt: «Christoph Blocher schätzt sie als eines der politischsten seiner vier Kinder ein. Er ist überzeugt, dass sie eine gute Politikerin wäre.» Im Moment habe die Ems-Chefin zu wenig Zeit, um sofort einzusteigen. «Es ist aber gut möglich, dass sich die Situation in vier Jahren völlig anders präsentiert», sagt Brunner. «Ich würde mich sehr freuen, wenn sie einsteigt.»

Recherchen zeigen, dass die Bündner SVP-Sektion Martullo bereits für die diesjährigen Wahlen als National- und Ständeratskandidatin angefragt hat. Doch Martullo sagte vorerst ab. Es ist noch zu früh. Sie will sich voll auf ihre Arbeit im Unternehmen konzentrieren.

Der Bündner SVP-Politiker und Nationalratskandidat Livio Zanolari sagt: «Ich hätte sie sehr gerne auf der Bündner Liste gesehen, als National- oder sogar Ständerats-Kandidatin.» Zanolaris Wort hat Gewicht: Er ist Christoph Blochers Kommunikationsberater seit dessen Zeit als Bundesrat.

Für die nächsten vier Jahre scheint sichergestellt, dass die Familie Blocher in der Politik vertreten bleibt: Im Kanton Zürich tritt Christoph Blocher an – zumindest als Nationalrat ist er so gut wie gewählt. Und danach? Am Rand eines Ems-Firmenanlasses wurde Magdalena Martullo gefragt, ob sie in die Politik einzusteigen gedenke.

«Im Moment ist das kein Thema», antwortete sie gemäss Anwesenden. Um dann anzufügen: «Ausser, ich muss.» Genau diese Diktion war es, die Christoph Blocher vor seiner Kandidatur für den Bundesrat benutzte. Und: Auch den Posten der Ems-Chefin «musste» sie übernehmen, wie Christoph Blocher einst sagte.

Offiziell will Martullo nicht über eine politische Karriere reden. Das Statement lautet, sie habe «in den nächsten Jahren» nicht die Absicht, ein Amt zu übernehmen. Das spricht allerdings nicht gegen einen spektakulären Einstieg in vier Jahren. Vorgestern sorgte die Ems-Chefin an der Halbjahres-Pressekonferenz für Aufsehen mit politischen Ausschweifungen, wie man sie von ihrem Vater kennt.

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