Es steht ein heisser Lohnherbst bevor. Während die Gewerkschaften Lohnerhöhungen von 1 bis 3 Prozent fordern, sagt Swissmem-Präsident Hans Hess: «Etwas weniger zu verdienen, ist für die Mitarbeitenden oft weniger schmerzhaft, als den Job zu verlieren.» Und er verweist dabei auf die Teuerung, die derzeit minus 0,7 Prozent beträgt. Falls die Löhne im Ausmass der negativen Teuerung gekürzt würden, könnten sich die Mitarbeitenden immer noch gleich viel leisten wie bisher, argumentiert er.

Im Klartext: Trotz einer Lohnkürzung von 0,5 Prozent bliebe den Arbeitnehmern aktuell real mehr Geld im Portemonnaie, da die Preise um 0,7 Prozent zurückgehen. «In der aktuell schwierigen Lage geht es primär darum, Arbeitsplätze zu erhalten», mahnt Hess.

Die meisten der stark exportorientierten Firmen der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie stünden noch immer unter grossem Druck – einerseits wegen der anhaltenden Frankenstärke und andererseits wegen der sich abkühlenden weltweiten Konjunktur. Verschiedene Firmen seien immer noch in der Verlustzone und lebten damit von der Substanz. Deshalb bestehe bei vielen kaum ein Spielraum für Lohnerhöhungen.

Hess betont aber, dass eine Reduktion des Lohns immer eine psychologisch schwierige Angelegenheit sei. «Die Unternehmer wollen ja ihre Belegschaft nicht ohne Not frustrieren oder demotivieren.» Jede Firma müsse aufgrund ihrer individuellen Situation selber entscheiden, was sie machen will, und Swissmem gebe diesbezüglich auch keine Empfehlungen ab. Mit Nullrunden sei in diesen Herbst jedoch sicherlich zu rechnen. Zudem hätten einzelne Gewerkschaften, die sonst immer auf den Ausgleich der Teuerung pochen, angesichts der Minusteuerung davon plötzlich nichts mehr wissen wollen.

Ganz so einfach ist die Sache aus Sicht der Gewerkschaften jedoch nicht. Der Dachverband Travail Suisse, zu dem auch die im Industriebereich wichtige Gewerkschaft Syna gehört, sagte Anfang Monat zwar, dass die Lohnforderungen für 2013 wegen der Minusteuerung etwas tiefer ausfallen würden.

Dennoch sei diese kein Argument gegen höhere Löhne, erklärte Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik von Travail Suisse. Sie verwies auf Prognosen, die für nächstes Jahr von einer Jahresteuerung von 0,5 Prozent ausgehen. Steigt die Teuerungsrate im nächsten Jahr tatsächlich wieder an, erleiden all jene Arbeitnehmer, die keine Lohnerhöhung erhalten haben oder gar eine minime Lohnkürzung hinnehmen mussten, eine Reallohneinbusse. Dann führt Blanke auch noch die höheren Krankenkassenprämien ins Feld, die den Vorteil tieferer Preise wieder zunichtemachen würden.

Travail Suisse fordert deshalb Lohnerhöhungen von 1 bis 2,5 Prozent, je nach Zustand des Betriebs könne es auch weniger sein. Auch die Gewerkschaft Angestellte Schweiz wehrt sich gegen Nullrunden und fordert ein Prozent mehr Lohn. Auch sie sagt aber, dass je nach Branche und Geschäftsgang die Erhöhung bescheidener ausfallen könne.

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