Den Baustellenkontrolleuren bot sich ein Bild des Schreckens: Auf einer Baustelle des deutschen Fertighausanbieters Luxhaus in Tecknau BL entdeckten sie Anfang Juli fünf osteuropäische Arbeiter, die unter prekären Umständen in drei halb fertigen Häusern wohnten. Die Beweisaufnahmen zeigen, wie die Männer schlafen und essen mussten. Die «Küche» bestand aus einem Miniaturgrill, ein WC und eine Dusche gab es nicht.

«Solche Missstände nehmen zu», sagt Michel Rohrer, Geschäftsführer der Zentralen Paritätischen Kontrollstelle Baselland, die den Fall aufdeckte. «Wir stellen in letzter Zeit vermehrt fest, dass Arbeiter unter entwürdigenden Umständen auf den Baustellen hausen.»

Diese Woche wurde bekannt, dass portugiesische Arbeiter, die auf einer Waadtländer Grossbaustelle eingesetzt wurden, wie Sklaven gehalten wurden. Sie erhielten Fr. 3.78 pro Stunde und wurden von ihrer Arbeitgeberin zu zehnt in einem 25 Quadratmeter grossen Zimmer eingepfercht.

Im Winter vor zwei Jahren wurden im Baselbiet drei tschechische Bauarbeiter entdeckt, die bei Minustemperaturen auf Matratzen in einem ausgehöhlten Haus schlafen mussten, weil ihre Firma ihnen keine Unterkunft zahlte.

«Das kommt im Ausbaugewerbe öfter vor», sagt Eduard Schmid, Präsident des Verbands Bauunternehmer Region Basel. Er kennt einen Fall, wo Arbeiter direkt in der Baustelle auf Isolationsmatten schliefen.

Diese Form von Ausbeutung ist illegal. Das Entsendegesetz, das den befristeten Einsatz von Ausländern in der Schweiz regelt, hält unmissverständlich fest, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmern eine Unterkunft garantieren muss, «die dem üblichen Standard bezüglich Hygiene und Komfort genügt». Das einheimische Baugewerbe distanziert sich denn auch von den Missständen. «Das ist nicht tolerierbar», sagt Martin Senn, Sprecher des Schweizerischen Baumeisterverbands. «Wir begrüssen es, wenn menschenunwürdige und illegale Zustände aufgedeckt werden. Es braucht rigorose Kontrollen.»

Im Fall Luxhaus wurde nebst der illegalen Unterbringung auch Lohndumping festgestellt. Die insgesamt zwölf Arbeiter gaben an, sie erhielten einen Stundenlohn von 15Franken. Das ist weniger als die Hälfte des Mindestlohns im Ausbaugewerbe. Er beträgt inklusive 13. Monatslohn, Ferien-, Feiertags- und Spesenanteil 35Franken.

Alle Arbeiter behaupteten zudem, sie seien ihr eigener Chef. Die Kontrolle ergab aber, dass die Selbstständigkeit nur vorgetäuscht war, um die Mindestlöhne und Arbeitszeiten zu umgehen. «Eigentlich sind es Akkordarbeiter, die zu konkurrenzlosen Löhnen arbeiten», sagt Theodor Häner, Geschäftsführer der Bauunternehmer Region Basel. Michel Rohrer drückt es drastischer aus: «Das sind einfach nur Sklaven.»

Die Drahtzieher kommen dennoch ungeschoren davon. Denn gegen Scheinselbstständige gibt es zurzeit keine Sanktionsmöglichkeiten. Luxhaus reicht die Verantwortung an die ostdeutsche Firma Ronny Erge Baudienstleistungen weiter, die von ihr als Generalunternehmerin eingesetzt worden war. «Unser Generalunternehmer setzte im Laufe des Ausbaus ohne Rücksprache mit uns Nachunternehmer ein», sagt Luxhaus-Marketingleiterin Caroline Seufert. Gemeint sind die Scheinselbstständigen, die mehrheitlich über eine Internet-Plattform angeheuert worden waren.

Seufert sagt: «Sobald uns bekannt wurde, dass Arbeiter auf der Baustelle nächtigen, haben wir dies unverzüglich unterbunden und in diesem Zuge auch nochmals an die Einhaltung des Mindestlohns erinnert. Nachdem der Verdacht aufkam, dass die Arbeiter unter Umständen vom Generalunternehmer nicht korrekt bezahlt werden, haben wir am 29. Juli die Zusammenarbeit mit der Firma Erge mit sofortiger Wirkung abgebrochen und auch für die Zukunft beendet.»

Luxhaus verspricht, Schweizer Bauvorhaben künftig ausschliesslich mit eigenen Handwerkern und Monteuren abzuwickeln. Dadurch sei die Einhaltung der Vorschriften sichergestellt.

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