Diese Woche gab Lindt-&-Sprüngli-Chef Ernst Tanner bekannt, dass er am Firmensitz in Kilchberg am Zürichsee ein Schokoladenmuseum bauen will. Im Gespräch mit dem «Sonntag» wird Tanner konkret: «Das wird eine ganz grosse Sache! Ich denke, dass wir rund eine halbe Million Besucher pro Jahr zählen werden.» Damit würde sich das Schoggimuseum in der Liga des Verkehrshauses bewegen, dem meistbesuchten Museum der Schweiz. 2012 lockte es 506 000 Besucher nach Luzern.

In sechs bis neun Monaten will Ernst Tanner das Baugesuch einreichen können. Bei der Gemeinde wurde man bereits vorstellig, um die Parzellierung zu eruieren, wie Judith Bellaiche, Bauvorsteherin von Kilchberg, bestätigt. Im Museum soll die Geschichte der Schweizer Schokoladenindustrie gezeigt werden.

In Köln hat Lindt bereits ein Schokoladenmuseum. «Dort zählen wir etwa 650 000 Besucher pro Jahr», sagt Tanner. Schon heute würden zudem regelmässig ganze Reisecars voll mit chinesischen Touristen von Luzern nach Kilchberg fahren, um sich im Fabrikladen mit Lindt-Produkten einzudecken.

Die Tourismusverbände freuen sich über die Pläne von Lindt. «Fakt ist, dass ein solches Schoggimuseum seitens der Touristen tatsächlich auch nachgefragt wird», sagt Martin Sturzenegger, Direktor von Zürich Tourismus. Schon heute bietet der Verband eine dreieinhalbstündige Stadtführung namens «Zürichs Schokoladenseite» an – mit einem Abstecher zu Lindt & Sprüngli nach Kilchberg. Auch Daniela Bär von Schweiz Tourismus hält Lindts Pläne für «eine super Idee und eine attraktive Ergänzung für das Tourismusangebot in der Deutschschweiz».

Nebst dem Museum soll auch ein Zentrum für die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften der hiesigen Schokoladenindustrie eingerichtet werden. «Wir müssen die Ausbildung selber in die Hand nehmen», sagt Tanner. «Die Schokoladenindustrie ist klein, nicht so wie die Maschinenindustrie. Aber wir haben einen grossen Bedarf an Schokolade-Experten, um die Schweizer Schokolade in der ganzen Welt etablieren zu können.»

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