Vor den Medien machte der Gesundheitsminister in Bern keinen Hehl daraus, dass er den Gegenvorschlag zur zurückgezogenen Volksinitiative "Ja zur Komplementärmedizin" für unnötig erachtet. Pflichtgetreu vertrat er aber die Ja-Parole des Bundesrates, der dem Parlament vor Urnengängen nicht widersprechen darf.

Für den Fall einer Annahme der Vorlage versprach Couchepin nichts. Wie die Komplementär-medizin dann in den Bereichen Krankenversicherung, Medikamente und Ausbildung zu berücksichtigen wäre, müsste der Gesetzgeber entscheiden. "Das Parlament kann am besten die Stimmung aufnehmen und diese Debatte führen".

Erneut dämpfte der Gesundheitsminister die Hoffnung und Erwartung der Befürworter, die von ihm 2005 aus der Grundversicherung gekippten fünf ärztlichen Methoden Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Phytotherapie, Traditionelle Chinesische Therapie und Neuraltherapie würden wieder kassenpflichtig.

Die Experten müssten entscheiden, ob diese Methoden neuerdings die Kriterien Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit erfüllten, sagte Couchepin. "Wenn diese Kriterien für die Komplementärmedizin nicht länger gelten sollen, muss das Krankenversicherungsgesetz geändert werden."

Bedenken hat der Gesundheitsminister wegen der Mehrkosten, die eine stärkere Berücksichtigung der Komplementärmedizin bringen könnte. Die fünf provisorisch aufgenommenen Methoden hätten die Krankenversicherung 2004 zwar nur 25 Millionen Franken gekostet. Nun aber wendeten die Zusatzversicherungen über 200 Millionen für die Komplementärmedizin auf. (mz/sda)

Foto: MZ