VON CLAUDIA MARINKA

Was hat ein Swingerclub mit Kunst zu tun? Offenbar viel, wenns nach dem Basler Konzeptkünkstler Christoph Büchel geht. Pro Helvetia zahlt 15 000 Franken an seine Swinger-Ausstellung. «Ich finde das sehr heikel», sagt Lieni Füglistaller. Der Präsident der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur will Klarheit: «Wir möchten Rechenschaft verlangen von Pius Knüsel, warum Pro Helvetia dieses Projekt für unterstützungswürdig hält», sagt er.

Deshalb soll Knüsel an einer der nächsten Kommissionssitzungen die Gründe darlegen. Ausserdem beantragt Füglistaller eine Liste der aktuellen Projekte und eine Offenlegung der finanziellen Unterstützung. «Kunst darf und soll provozieren und gesellschaftliche Themen kontrovers aufgreifen. Sie soll aber nicht die Gefühle und Empfindungen der Menschen verletzen.» Offenbar sei Herr Knüsel nicht über die Details informiert gewesen. «Das ist nicht gut, daran ändert auch die offizielle Stellungnahme der Pro Helvetia nichts.»

Doch jetzt zeigt sich: Pius Knüsel wusste sehr wohl um das Skandalpotenzial. «Christoph Büchel ist die seltene Ausnahme eines Künstlers, der es schafft, regelmässig Skandale hervorzurufen», sagt er zum «Sonntag». Offenbar ist ihm bei der Sache selbst nicht mehr ganz wohl. «Wir haben mit den Ausstellern in Wien gesprochen, um die Finanzflüsse rund um das Projekt zu klären», sagt Knüsel.

Zudem habe man auch mit den am Entscheid beteiligten Stiftungsräten gesprochen, um sicherzugehen, dass der Entscheid von den befugten Experten gefällt wurde. «Nächste Woche werden wir eine Grundsatzdiskussion führen, wie wir mit Hinweisen auf starke Provokation in den Gesuchsdossiers umgehen. Aufgabe von Pro Helvetia kann es allerdings nicht sein, provokative Kunst aus Prinzip zu unterdrücken.»

Das Parlament verlangt von Pro Helvetia eine maximale Kosteneffizienz. «Deshalb können wir nicht alle Anfragen bis in die Details analysieren, das würde eine riesige Bürokratie nach sich ziehen. Und eine Art Zensurapparat», sagt Knüsel. Dass das Vertrauen «hin und wieder strapaziert» werde, gehöre zum Risiko und «benötige das Verständnis von Politik und Gesellschaft». Ob das auch die Besucher des Wiener Museums Secession so sehen, bleibt offen. Dort istdie subventionierte Kunstaktion vom «Verein der konaktfreudigen Nachtschwärmer – Element6» zu sehen. Der Verein betreibt in Wien einen Swingerclub und ist für zwei Monate in den Kunsttempel übersiedelt. «Persönlich würde ich diese Ausstellung nicht besuchen», meint Nationalrat Füglistaller.

Nur einer schweigt hartnäckig: Büchel selbst. Für den Pro-Helvetia-Chef indes auch kein Problem. Knüsel: «Es ist seine Sache, ob er sich äussern will oder nicht. Ich glaube nicht, dass die Künstler die bessern Interpreten ihrer Werke sind. Dass Büchel schweigt, vergrössert die Provokation. Das ist durchaus in der Logik seiner Installation. Ob es uns schadet, kann ich nicht sagen.

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