VON CLAUDIA MARINKA UND KATIA MURMANN

Herr Steinberger, in der Finanzkrise haben wir ziemlich wenig zu lachen. Ist Humor, wenn man trotzdem lacht?
Emil Steinberger: Klar fragen sich Leute, die ihre Stelle oder ihr ganzes Vermögen verlieren: Wie soll ich da noch lachen? Trotzdem ist Lachen noch das Einzige, was übrig bleibt. Das merke ich in meinen Vorstellungen: Sie sind voll, und während 100 Minuten können die Besucher alles Schlimme vergessen, was in letzter Zeit passiert ist.

Emil als Medikament gegen die Krise?
Die «Basler Zeitung» hat einmal geschrieben, ich sei ein «man for all seasons», ein Mann für jede Jahreszeit. Heute könnte man schreiben: Ein Mann für alle Krisen (lacht). In den Theatern spürt man zum Glück nichts davon. Offenbar ist diese Ablenkung den Menschen einfach ein Bedürfnis.

Wie lenken Sie sich ab?
Zum Glück müssen meine Frau und ich nicht leiden. Ich hatte zwar auch UBS-und andere Aktien, aber die habe ich zum Glück schon vor langer Zeit verkauft. Da hatte ich eine gute Nase. Wenn ich alles verloren hätte, was ich in 50 Jahren aufgebaut habe, dann wäre ich wohl auch am Boden und müsste mich selber zum Lachen bringen.

Was können Sie der jetzigen Lage Komisches abgewinnen?
Da gibt es vieles! Denken Sie an all die Chef-Posten, die nun untereinander verschoben werden: Wenn der den Sitz bekommt, bekommst du einen bei uns, das ist wie ein Schachspiel. Die Posten werden so verteilt, dass es nach aussen vertraulich aussieht. Aber das reicht nicht, es muss doch vor allem nach innen stimmen. Als Aussenstehender kann man nur zuschauen und eher schmunzeln, nicht lachen.

Sie meinen die Personalrochaden an der Spitze der Grossbanken, wo Rentner wie Kaspar Villiger oder Oswald Grübel das Ruder übernehmen.
Vor allem stört mich, dass bereits beim ersten Interview von Herrn Grübel sein Honorar von drei Millionen plus sein zukünftiger Bonus von ihm genannt wurde. Das fand ich undiplomatisch, aber auch ein Zeichen, dass man aus dieser Krise nichts lernt und es bald wieder so weitergeht wie gehabt.

Das Bankgeheimnis ist gefallen – wegen des Drucks aus Amerika. Sie haben zehn Jahre in New York gelebt. Haben Sie Verständnis für die USA?
Unter Präsident George W. Bush waren wir nicht mehr Fan der USA. Jetzt hoffen wir, dass Mister Obama all das machen kann, was er versprochen hat. Bis jetzt sieht es gut aus. Aber er braucht nun sehr viel Geld, allein für das Gesundheitswesen, und da kann es schon schmerzen, wenn das Geld im Ausland versteckt und so dem Fiskus entzogen wird.

Wie nun aber Deutschland das Steuerproblem mit der Schweiz anpackt, ist nicht zu vergleichen mit dem Vorgehen von Präsident Obama. Wird da in Deutschland so hart verbal vorgegangen, weil die Parteien sich im Wahljahr profilieren wollen? Dann fände ich die Art und Weise des Vorgehens auf Kosten des Nachbars erst recht bedenklich. «Solche Probleme hätte man früher militärisch gelöst», sagte Müntefering. Darüber kann ich gar nicht lachen.

Sind Sie politisch einverstanden mit dem Kurs der Schweiz?
Ich weiss nicht, ob man das «einen Kurs» nennen kann. Der Bundesrat betreibt Wischiwaschi-Politik. Da fehlt mir ein intelligenter Stratege, der, ohne die Dinge zu beschönigen, klar das neue Schweizer Konzept diplomatisch auf den Tisch legt. Was heisst denn bei uns Bankgeheimnis? Jeder, der auf einem Steueramt arbeitet, weiss von jedem Bürger, wo und wie viel dieser bei den Banken deponiert hat. Wenn er Schwarzgeld beiseite legt, dann muss er mit seinem Gewissen und der Angst des Entdeckens leben können.

Sie hatten mit Ihrem Programm Erfolg in Deutschland, nun gibt es in der Schweiz immer mehr deutsche Chefs – mit Oswald Grübel auch bei der UBS.
Es gibt ja auch Schweizer in Deutschland, die gut arbeiten und einiges retten, zum Beispiel Joe Ackermann. Ich finde, die etwas härtere, offenere Gangart der Deutschen tut den Schweizern ab und zu ganz gut, von der etwas sensibleren Schweizer Art können und tun aber auch die Deutschen viel lernen.

Trotzdem haben viele Schweizer Angst vor den Deutschen.
Zu denen gehöre ich natürlich nicht, meine Frau kommt ja ursprünglich aus Köln. Man hat Angst um seine Stelle. «Ärmel hindere litze und d Stirn biete» wäre auch eine Devise. Wir können halt die gut ausgebildeten Deutschen gut gebrauchen, es fehlten uns so viele Arbeitskräfte. Ohne die Arbeit aller Ausländer, jesses Gott, da wären wir vielleicht alle noch Bauern!

Man sieht Emil öfter am deutschen Fernsehen als im Schweizer Fernsehen. Woran liegts?
Vielleicht habe ich sie mal verärgert. Vor zwei Jahren, da habe ich in einem Vortrag über Kreativität gesagt: Leutschenbach ist für mich die grösste Kopieranstalt der Schweiz, weil das Schweizer Fernsehen viel zu viele Sendungen, die schon lange im Ausland laufen, übernimmt und selbst viel zu wenig kreativ ist. Natürlich gibt es gute Sendungen, wie die «Rundschau», «Sternstunde», Natursendungen, Giacobbo/Müller usw. Nur in Sachen Unterhaltung haperts.

Was wünschen Sie sich denn?
Für mich müsste das Leutschenbach das grösste kreative Zentrum der Schweiz sein. Woran es liegt, dass das nicht so ist, weiss ich nicht. Oder, na ja, ich weiss es schon, aber eben, man sollte es nicht äussern.

Lesen Sie das ganze Interview in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!
Foto: Susi Bodmer