Die Versicherten können aufatmen: Die Prämien in der obligatorischen Grundversicherung steigen im kommenden Jahr nur moderat. Als Erste hatte diese Woche die CSS-Gruppe eine Prognose gewagt. Die zweitgrösste Grundversicherin will die Prämien bei ihren Marken CSS, Intras und Arcosana um durchschnittlich 1 bis 2 Prozent anheben.

Nun zeigt eine Umfrage der «Schweiz am Sonntag», dass alle grossen Krankenkassen mit einem Mini-Aufschlag rechnen. Die Marktführerin Helsana will dank ihres gut gefüllten Reservepolsters die Prämien bei ihren Marken Helsana, Progres, Avanex und Sansan weniger anheben, als es der Kostenanstieg von voraussichtlich 3 Prozent eigentlich gebieten würde. «Aufgrund der komfortablen Eigenkapitalsituation werden die Prämien weniger stark steigen als der Leistungskostenanstieg», sagt Sprecher Rob Hartmans. Mit anderen Worten: Auch bei der Helsana steigen die Prämien im Schnitt um 1 bis 2 Prozent.

Eine «moderate Prämienrunde» verspricht dank ihrer guten Finanzlage auch die dritte grosse Krankenversicherung, die Groupe Mutuel. Sie will sich aber noch nicht auf eine Zahl festlegen. Die Visana-Gruppe plant für alle drei Marken – Visana, Sana24 und Vivacare – eine moderate Prämienerhöhung. «Wir gehen aktuell im gesamtschweizerischen Mittel von rund 2 Prozent aus», sagt Sprecher Christian Beusch.

Gar keinen Prämienanstieg wird es bei der Assura geben. «Wir werden dem Bundesamt für Gesundheit eine allgemeine Nullrunde vorschlagen», sagt der stellvertretende Generaldirektor Jean-Bernard Pillonel. Noch keine Angaben machen die weiteren grossen Kassen Swica, Sanitas und Concordia.

Insgesamt zeichnet sich damit der dritte moderate Prämienanstieg in Folge. Zu Beginn des laufenden Jahres waren die Prämien der Grundversicherung für Erwachsene um durchschnittlich 1,5 Prozent gestiegen. Das liegt deutlich unter dem zehnjährigen Mittel von 3,7 Prozent. Die Prämien für Kinder sanken sogar im Schnitt um 1,4 Prozent, während es bei den jungen Erwachsenen einen Anstieg um durchschnittlich 2,9 Prozent gab.

«Es verdichtet sich, dass der Trend in die Richtung einer erneuten moderaten Prämienrunde geht», bestätigt Paul Rhyn, Sprecher des Krankenkassenverbandes Santésuisse. Eine gewisse Unsicherheit gebe es allerdings noch wegen der Auswirkungen der neuen Spitalfinanzierung und der Rechnungsrückstände der Spitäler. Noch immer fehlt ein Teil der Spitalrechnungen aus dem vergangenen Jahr.

Der tiefe durchschnittliche Prämienanstieg sagt allerdings für den einzelnen Versicherten wenig aus. Je nach Prämienregion, Versicherungsmodell und Franchise kann es zu grossen Abweichungen gegenüber dem schweizerischen Mittel kommen. Einen Hinweis geben die kantonalen Unterschiede beim Kostenanstieg. Insgesamt hatte der Gesundheitssektor seine Kosten im vergangenen Jahr recht gut im Griff. Der Kostenanstieg in der Grundversicherung betrug lediglich 3,2 Prozent. Das ist leicht weniger als der zehnjährige Schnitt.

Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn man die Kantone anschaut. Deutlich über dem schweizerischen Mittel stiegen die Kosten in den Kantonen Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Solothurn, den beiden Appenzell, St. Gallen, Aargau und Wallis. In diesen Kantonen müssen sich die Versicherten deshalb im nächsten Jahr auf deutlich höhere Prämien gefasst machen.

Stark unterdurchschnittlich war der Kostenanstieg hingegen in den Kantonen Basel-Stadt, Thurgau, Waadt und Neuenburg. In den Kantonen Bern, Freiburg, Tessin und Jura gelang es sogar, die Kosten zu senken. In all diesen Kantonen dürfen die Versicherten deshalb 2014 mit einem geringfügigen Prämienanstieg rechnen.

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