VON PETER ROTHENBÜHLER *

Geniale Typen machen den Eindruck, dass alles, was sie tun, die natürlichste Sache der Welt sei. Dabei steckt hinter dieser «Natürlichkeit» viel harte Arbeit. Ich weiss nicht, wer alles neben Vater Robert und Ehefrau Mirka unsern King of Tennis in Sachen Kommunikation berät, aber sie tun es verdammt gut.

Federers sind die beste «Case study» für eine optimale Medienarbeit und Imagekontrolle.

Am wichtigsten ist Authentizität: Das Bild, das verbreitet wird, muss mit der Realität übereinstimmen. Roger ist so, wie er sich gibt. Da gibts kein Doppelleben, keine Leichen im Keller. Roger ist Roger pur. Vorbildlich bis in die Zehenspitzen.

Aber das grösste Kompliment in Sachen Imagekontrolle gehört der Ehefrau: Mirka hat es viel schwerer als Roger. Es gibt für eine ambitiöse junge Frau nichts Heikleres, als sich neben einem sehr berühmten Mann zurechtzufinden. Mirka macht es genau richtig, sie zieht die Fäden, spricht aber in der Öffentlichkeit selbst kein Wort. All ihr Wirken ist voll aufs «Produkt» fokussiert: auf ihren Roger.

Wenn wir schon beim Rühmen sind: Federers Pressekonferenzen sind vom Besten. Der Kerl spricht frei, locker, humorvoll und in vielen Sprachen. Redet gut über Gegner, zeigt echte Freude, aber auch echte Enttäuschung. Einfach perfekt.

Roger weiss auch, dass ein Weltstar den Heimmarkt pflegen muss. Wem hat Roger Federer ein langes Exklusivinterview gegeben nach seinem letzten Wimbledon-Sieg ? Der «Times»? Nein, der «Basler Zeitung». Federer ist «Swiss made», aber eben zuerst «made in Basel». Er ist seit letzter Woche «Ehrenspalebärglemer», das tönt in Hollywood vielleicht komisch. Aber in Hollywood wird in vierzig Jahren niemand mehr von Federer reden. Am Spalenberg schon.

Martina Hingis liess auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ausrichten, sie sei jetzt in New York und in Tokio gefragt und könne sich nicht mehr mit der einheimischen Presse herumschlagen. Damit verabschiedete sie sich definitiv vom Heimmarkt. Und die Schweizer Medien blieben fortan sehr kühl, vor allem wenn es ihr schlecht ging.

Als früherer Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten» weiss ich, dass sich die Hochzeit eines berühmten Schweizer Sportstars sehr gut verkauft am Kiosk. Noch besser aber das Bild mit dem neugeborenen Baby. Jetzt gibts bald Roger mit seinen Zwillingstöchtern auf dem Arm, zart umfasst von Ehefrau Mirka. Das wird das Titelbild des Jahres!

Die Frage ist nur, wann und zu welchen Bedingungen. Da die Federers Profis sind, müsste ich mich schon schwer täuschen, wenn sie nicht zuerst ein Bild für alle freigeben. Und erst in einem zweiten Schritt für ein Baby-Shooting mit einer Illustrierten posieren. Mit Sicherheit wird das eine schweizerische Illustrierte sein. Und das Honorar wird an eine gemeinnützige Sache gehen.

Auf keinen Fall werden die Federers den Fehler eines andern Tennisidols (Boris Becker) wiederholen, der seine Hochzeitsfotos per Auktion dem Meistbietenden verhökerte. Privatleben gegen Geld, so etwas von unedel. Das machen nur Leute, die grosse Gewinner gewesen sind und inzwischen imagemässig alles verloren haben. Was manchmal sehr schnell gehen kann. Auch das wissen die klugen Federers.

* Peter Rothenbühler führte mit grossem Erfolg die «Schweizer Illustrierte». Heute ist er Mitglied der Generaldirektion des Westschweizer Verlagshauses Edipresse.

Foto: Gustavo Nacarino - Reuters