Der Hype um das Comeback der 3-D-Filme war vor drei Jahren gross. In Hollywood wurden schnurstracks mehrere Filme auf 3-D umgepolt, in der Hoffnung, noch mehr Besucher anzulocken. Im letzten Jahr waren in der Schweiz denn auch 3-D-Filme wie «Harry Potter 7», «Fluch der Karibik 4», «Rio» und «Rapunzel» besonders erfolgreich.

Doch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres fehlten die dreidimensionalen Kassenschlager. Das zeigen die Zahlen des Branchenverbands Procinema. Um ganze 25 Prozent ging die Anzahl Tickets für 3-D-Filme zurück, die bis zu drei Franken mehr als eine 2-D-Vorstellung kosten. Nur «The Avengers» schaffte es in die Top 5. Das ist vor allem schmerzhaft, weil die Kinos gezwungen waren, mehr als hunderttausend Franken pro Saal für die Digitalisierung und 3-D-Technik zu investieren.

Insgesamt liegen die Besucherzahlen mit einem Umsatz von 117 Millionen Franken 2,1 Prozent unter dem Vorjahr. Dass die Bilanz nicht noch schlechter aussieht, haben die Kinobetreiber vor allem dem absoluten Überflieger «Intouchables» aus Frankreich zu verdanken – notabene in 2-D, mit mittlerweile über 1,3 Millionen Zuschauern, davon in diesem Jahr gut 1 Million. Nur «Titanic» lockte 1998 mehr Leute in die Lichtspielhäuser (1,9 Millionen).

«Was ich schon vor dem 3-D-Boom prophezeit habe, trifft nun ein», sagt Peter Sterk, der Kinos in Baden und Wettingen betreibt. «Das Thema 3-D hat nach relativ kurzer Zeit an Faszination bei den Zuschauern verloren.» Beim neuen Animationsfilm «Ice Age 4», aber auch bei anderen Filmen, zähle er mittlerweile mehr Zuschauer in 2-D- als in 3-D-Vorstellungen. Vielen Zuschauern seien die 3-D-Tickets zu teuer. Zudem stünden für viele Kinobetreiber nächstens weitere grosse Investitionen an – für neue Server, Tonstudio-Lautsprecher und Lichtquellen für die Digitalprojektoren. «Nicht alle werden sich diese leisten können, und einige Kinos dürften leider verschwinden.»

Nebst der Flaute aus Hollywood gibt es weitere Gründe für die negative Entwicklung. «Der Juni war mit einem Minus von 40 Prozent so schlecht wie noch nie», sagt der Aarauer Kinobesitzer Rolf Portmann. Zwar sei das Wetter nicht sehr gut gewesen, was für einen Kinobesuch spricht, doch fehlten ganz einfach gute Filme. Hinzu kamen die Fussball-EM und der ausbleibende Erfolg des Schweizer Hoffnungsträgers «Eine wen iig, dr Dällebach Kari».

Die Kinobetreiber hoffen dennoch auf ein Happy End, auch weil das zweite Halbjahr mit den Filmen «The Dark Knight Rises», «Ice Age 4» und «Ted» gut gestartet sei, sagt Portmann. Und mit dem neusten James-Bond-Abenteuer «Skyfall» ist ein sicherer Kassenknüller in der Pipeline. Dennoch möchte sich Portmann nicht alleine auf Hollywood verlassen: «Wir überlegen uns zurzeit, ob und wie wir eine Preiserhöhung durchführen werden.»

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