VON ARTHUR RUTISHAUSER

Die Credit Suisse (CS) hat am Donnerstag alle überrascht: Der Quartalsgewinn betrug stolze 2,4 Milliarden Franken, nachdem im vergangenen Jahr noch ein Verlust von mehr als 8 Milliarden Franken ausgewiesen wurde.

Doch laut Geschäftsbericht bezahlt das Schweizer Mutterhaus keine Steuern. CS-Sprecher Marc Dosch bestätigt: «Die Credit Suisse dürfte dieses Jahr wegen der Verlustvorträge keine Einkommenssteuern zahlen.» Das Gleiche dürfte auch für das nächste Jahr gelten. Bei der UBS, die wohl auch dieses Jahr keinen Gewinn erzielen wird, sind die Verlustvorträge noch viel höher – und somit werden noch Jahre vergehen, bis die Grossbanken wieder Steuern zahlen.

Befremdlich erscheint, dass die Credit Suisse laut ihrem Quartalsabschluss in den USA 372 Millionen Franken Steuern abrechnet. Laut CS sind dies aber rein «technische Buchungen», auch die amerikanische Steuerbehörde (IRS) erhalte nichts von der CS.

Katastrophal ist dies für die Staatshaushalte von Stadt und Kanton Zürich sowie für den Bund. Diesen fehlt nicht nur die UBS als Steuerzahler, sondern auch die hoch rentable Credit Suisse. Die Stadt Zürich wurde kürzlich in einem Städte-Ranking der Westschweizer Zeitschrift «Bilan» deutlich zurückgestuft. Der Zürcher Finanzvorstand Martin Vollenwyder sagte der «NZZ», dass die Stadt innerhalb von zwei Jahren ihr gesamtes angehäuftes Eigenkapital von einer Milliarde verlieren werde.

Politiker auf der Linken sind entsetzt, dass die CS trotz Rekordgewinnen keine Steuern zahlt. Nationalrat Daniel Vischer (Grüne/ZH) findet dies «total daneben», für Susanne Leutenegger Oberholzer (SP/BL) kommt erschwerend hinzu, dass die Bank auf den meisten ihrer Dienstleistungen nicht einmal Mehrwertsteuer bezahlt. Zudem seien noch immer Vorschläge auf dem Tisch, mit denen die Spitzenverdiener der Grossbank entlastet würden.

Nationalrat Philipp Müller (FDP/AG) kritisiert die Kommunikation der CS. Der jetzt ausgewiesene Gewinn sei viel zu hoch, denn die Ursache dafür, dass die Steuern nicht bezahlt werden müssten, lägen in den Verlusten des letzten Jahres. Damals hätten sie auch verbucht werden müssen.

Lesen Sie die ganze Geschichte in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!