DerGesamtbundesratsiehtsichimGPK-BerichtzuUnrechthartkritisiert.WichtigeInterventionengegendasVorgehenihresKollegenMerzwürdenfehlen,monierenmehrereBundesräte.Merz’RückhaltimGremiumtendiertderweilgegennull.
VONCHRISTOFMOSERUNDFLORENCEVUICHARD

Donnerstagmorgen,10.30UhrimNationalratssaal:DieParlamentarierdebattierenüberNachtragskreditefürdieStaatsrechnung2010.FinanzministerHansRudolfMerzsitztvorneimSaalaufeinemStuhlundwartetdarauf,vonNationalratspräsidentinPascaleBrudereransMikrofongerufenzuwerden.ErvertreibtsichdieWartezeitdamit,HeftklammernausseinenDokumentenzugrübeln;einenwirklichenGrunddafürscheintesnichtzugeben.

Merzwirktabwesend.Undeinsam.SelbstvonseinenParteifreundeninderFDPwirdergemieden,alshätteereineansteckendeKrankheit.AlssichSP-NationalrätinJacquelineFehraufdemWegzumRednerpultMerz’Sitzplatznähert,strecktderBundesratihrdieHandentgegen,langebevordieZürcherinüberhauptinReichweitegekommenist.Siereagiertüberrascht,machteinenSchrittaufihnzu,schütteltkurzseineHand,lächeltkühl–undwegistsie.

MerzamtagviernachdemGPK-Knall.VieleFreundehatderAppenzellerimBundeshausnichtmehr.AuchimBundesratnicht.DorttendiereseinRückhaltinzwischengegennull,wieeinhochrangigerMitarbeitereinesBundesratssagt:«WennesimBundesratjeeinschlechtesKlimagegebenhat,dannjetzt».DieAuflistungallerVersäumnissevonMerzimGPK-Bericht«habeindergerafftenFormselbstseineKollegenschockiert»,heisstesauseinemDepartement,dasanMerz’AbschusskeinInteressehat.

BundespräsidentinDorisLeuthardversuchteamFreitaganeinerMedienkonferenzzwar,denFokusderAufmerksamkeitaufdieUBSzulenkenunddamitwegvonihremangeschlagenenKollegen.GleichzeitigverrietenihreAussagenjedochauch,dassdieGesamtregierungfürdasdesolateManagementderUBS-KriseindenUSArundumdieHerausgabevonKundendatenharteKritikeinsteckenmusste,dieeigentlichauchdemFinanzministergegoltenhätte.

ImerstenTeildesBerichts,soLeuthardvordenMedien,seidieKritik«moderat».EsistjenerTeildesBerichts,derdieRegierungsarbeitinSachenUBS-Fastpleiteuntersuchthat.DarinkommtvorallemeinerknallhartandieKasse:Merz.ImzweitenTeildesBerichtsseidieKritik«absolutübertrieben»,soLeuthardweiter.EsistjenerTeil,derdieHerausgabevonKundendatenandieUSAausleuchtet.DawirdderBundesratalsGesamtbehördekritisiert–zuUnrecht,wieMerz’Bundesratskollegenfinden.EinzigBundesrätinEvelineWidmer-Schlumpfistzufrieden:SiehatinderGPK-AnhörungamKrisenmanagementvonMerzüberdeutlicheKritikangebracht,dieindenBerichteingeflossenist.«DieGPKhatmeinesErachtensgute,professionelleArbeitgeleistet»,sagtesieletztesWochenendeim«SonntagsBlick».

AndereBundesrätebeklagenlaut«Sonntag»-Informationen,ihreInterventionengegendasVorgehenvonMerzseienvonderGPK«nichtgenügendberücksichtigtworden».SohatzumBeispielMoritzLeuenbergeranderBundesratssitzungvom18.FebruardenFinanzministerineinemMitberichtdaraufhingewiesen,dassdieHerausgabederUBS-KundendatenviaFinma«nichtlegal»sei.DerMitberichtistimGPK-BerichtmitkeinemWorterwähnt.UndselbstausLeuthardsEVDistzuvernehmen,dieBundespräsidentinseiunglücklichdarüber,dassihr«mehrmaligesNachhaken»imUBS/USA-DossiervonderGPKunterschlagenwordensei.«WiesollderBundesrateingreifen,wenneinKollegesicheinerZusammenarbeitverweigert?»,soderTenorausmehrerenDepartementen.

Gegenüberdem«Sonntag»bestätigenmehrereGPK-Mitglieder,derBerichtseibeidenSchlussarbeitenletztenSonntag«politischaustariert»worden.«DieMehrheitsmeinungsetztesichdurch,dassineinerKollegialitätsbehördenichtnureinMitgliedfürdasDebakelverantwortlichgemachtwerdenkann»,soeinGPK-Mitglied.«Auchwennallenklarist,dassMerzdieHauptverantwortungträgtundseinenKollegeneinEingreifenregelrechtverunmöglichthat».NebenMerz,sosagteinanderesGPK-Mitglied,müssesicheigentlichnurMichelineCalmy-Rey«gewisseVorwürfemachen».

Merz,soberichtenFDP-Parlamentarier,dielängermitihmgeredethaben,treffedieGPK-KritikundderUnmutseinerKollegen«persönlichsehrhart».EinNationalratsagt:«ErteiltdenBefunddesBerichtsganzundgarnichtundfühltsichungerechtbehandelt.»GemässmehrerenFDP-ParlamentariernsollderFinanzministerübereinenbaldigenRücktrittnachdenken:«ErwartetaufeinErfolgserlebnis,daserzumAnlassnehmenkann,sichinWürdezuverabschieden»,soeineFDP-Parlamentarierin.

MehrThemenfindenSieindergedrucktenAusgabeoderüberE-Paper!