VON PATRIK MÜLLER

Herr Bucher, die Meldung in der TV-Sendung «10vor10», dass wegen neuer Sortiermaschinen bis zu 3400 Arbeitsplätze überflüssig werden könnten, verunsichert die Pöstler. Was planen Sie?
Tatsache ist, dass wir seit einigen Monaten in den Briefverarbeitungszentren Gossau und St. Gallen ein Pilotprojekt am Laufen haben, um die so genannte Gangfolgesortierung – also die Sortierung der Briefpost mit der Maschine – zu testen. Die modernen Technologien ermöglichen heute solche Lösungen, und als innovatives Unternehmen müssen wir diese prüfen. Aber Entscheidungen wurden noch keine getroffen. Wir werden zuerst die Ergebnisse des Pilotprojekts auswerten. Es ist offen, wie viele Maschinen wir letztlich brauchen. Die in den Medien genannten 20 bis 60 Maschinen sind Maximalzahlen. Und die erwähnten 3400 Arbeitsplätze sind für mich neu.

Aber dass die Automatisierung viele Stellen kosten wird, ist plausibel.
Die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze sind noch nicht evaluiert. Wenn solche Veränderungen Konsequenzen für das Personal haben, werden wir dies sehr sozialverträglich umsetzen, wie man es von der Schweizerischen Post gewohnt ist – stets in enger Absprache mit den Gewerkschaften.

Das heisst, es wird auch in Zukunft niemand entlassen?
Das wird grundsätzlich so bleiben. Wir müssen aber beachten, dass sich die Kundenbedürfnisse und die Märkte verändern – wir brauchen kundenfreundliche, kostengünstige und effiziente Produkte. Deshalb kann es in einigen Post-Bereichen weniger Arbeitsplätze geben, in anderen mehr als heute. Dort, wo es weniger sein werden, vermeiden wir Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen wenn immer möglich. Wir möchten den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine berufliche Perspektive bieten.

Es droht also kein Kahlschlag beim Personal?
Es gibt keinen Kahlschlag, davon ist doch keine Rede. Am einen Ort bauen wir auf, am anderen Ort reduzieren wir den einen oder anderen Arbeitsplatz – so wie das in der Vergangenheit auch immer der Fall war.

Warum führen Sie Umstrukturierungen ausgerechnet jetzt durch, wo die Arbeitslosigkeit so hoch ist?
Erstens haben wir keine Massnahmen zum Abbau getroffen, und solche Projekte greifen nicht heute und morgen, sondern erst mittelfristig. Zweitens muss sich ein Unternehmen im Wettbewerb ständig – unabhängig von der Konjunktur – überlegen, wie sie die Angebote und Strukturen verbessern kann. Wir haben auch in verschiedenen Bereichen Wachstumspotenzial und schaffen neue Arbeitsplätze.

Vor allem bei der boomenden PostFinance.
Nicht nur dort, auch in der Paketpost. Der Paketverkehr profitiert vom Trend zu Internet-Einkäufen. Nespresso-Bestellungen über Internet und Telefon müssen zugestellt werden – auch am Samstag. Solche Entwicklungen sind eine grosse Chance. Das ist nur ein Beispiel. Deshalb haben wir letztes Jahr auch sehr gut gemeistert – trotz Wirtschaftskrise.

Offenbar resultierte ein Gewinn von 700 Millionen Franken.
Über den Jahresabschluss werden wir am 24. März informieren.

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