VON ARTHUR RUTISHAUSER

Gut einen Monat, nachdem die UBS den Frieden mit den amerikanischen Steuerbehörden gefunden hat, reisst der Canada Revenue Agency (CRA) der Geduldsfaden. «Wir sind daran, mit der UBS zu diskutieren, damit wir Kooperation erhalten, doch, wenn wir, die kanadische Regierung, nicht erhalten, was wir fordern, werden wir andere Wege gehen.

Und das kann bedeuten, wir nehmen den Rechtsweg», sagt Caitlin Workman, Sprecherin der CRA. Was die Kanadier wütend macht, ist die Tatsache, dass bei der UBS dieselben Banker, die in Amerika illegal auf Kundensuche gingen, auch den kanadischen Markt bearbeiteten. Offenbar mit denselben Methoden. Trotzdem verweigert die UBS den Kanadiern die Einsicht in Bankkonten nach dem Muster des Steuervergleichs mit den USA.

«Die UBS will zu diesen Anschuldigungen keine Stellung nehmen», sagt UBS-Pressesprecher Dominique Gerster. Doch die Kanadier lassen nicht locker. Dies umso mehr, so schreiben kanadische Medien, weil Kanada nun auf denselben Whistleblower zählen könne, der die UBS schon in den USA verraten hat: Bradley Birkenfeld. «Er kooperiert auch mit Untersuchungsbehörden in anderen Ländern», sagt sein Anwalt David Meier.

Die Bemühungen, von der UBS direkt Konten zu erhalten, mögen zwar bisher gescheitert sein. Aber langsam melden sich die kanadischen Steuersünder freiwillig bei den Behörden. Der Grund: die «Kapitulation» der UBS vor den amerikanischen Steuerbehörden.

Insgesamt 57 Kanadier, die zusammen gut 7 Millionen Franken unversteuerter Vermögen in der Schweiz gebunkert haben, haben sich bisher gestellt. 20 Fälle sind mittlerweile abgeschlossen. Ihnen drohen Bussen und Steuernachzahlungen in Millionenhöhe. Dies zeigte sich vor Jahresfrist. Damals erhielten die Kanadier dank einem Datenklau in Deutschland Informationen über 100 Konten in Liechtenstein. In dieser Angelegenheit sind bisher Rechnungen in der Höhe von 3 Millionen Dollar für Nachsteuern verschickt worden.

Derweil wird die Situation für säumige Steuerzahler in den USA immer brenzliger. Das musste am Freitag Jürgen Homann erfahren. Er hat sich in einem Prozess in New York schuldig bekannt, mithilfe der UBS Vermögen in der Höhe von 5 Millionen Dollar über Scheingesellschaften an den amerikanischen Steuerbehörden vorbeigeschmuggelt zu haben. Dafür drohen ihm 5 Jahre Gefängnis und eine Busse von 250 000 Dollar sowie Nachsteuern in der Höhe von 50 Prozent des nicht deklarierten Geldes. Homann gab an, seine Berater hätten ihm vor Jahresfrist geraten, nicht am Steueramnestie-Programm der Amerikaner teilzunehmen.

Das ist der fünfte öffentlich gewordene Fall eines verurteilten UBS-Kunden. Der Imageschaden ist für die UBS gewaltig. Aus Amerika ist denn auch zu hören, dass die Bank weitere 200 Kundenberater entlassen musste. Teilweise solche, die sie erst vor Jahresfrist mithilfe von massiven Vorausboni zu sich gelockt hat.