Die Auseinandersetzung zwischen den Hells Angels und der Strassengang Black Jackets hat grössere Dimensionen als bisher bekannt. An der wilden Schlägerei von letztem Montag bei einer Tankstelle in Oftringen AG waren rund ein Dutzend Personen der verfeindeten Gruppierungen beteiligt. Ein Mazedonier der Black Jackets musste verletzt ins Spital transportiert werden.

Bekannt wurde, dass die anrückende Polizei den Hells Angel Marc S.* verhaftete und im Laufe der Ermittlungen weitere Personen inhaftiert wurden. Ging man bisher davon aus, dass es sich dabei nur um Hells Angels handelt, bestätigt die Staatsanwaltschaft Aargau jetzt, dass auch Mitglieder der Black Jackets hinter Gitter sitzen.

«Von den Verhaftungen sind beide Gruppierungen und ihr Umfeld betroffen», sagt Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht. Wie viele Personen insgesamt in Haft sitzen, will die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstechnischen Gründen nicht mitteilen. Umbricht: «Die verhafteten Personen befinden sich nach wie vor in Gewahrsam. Ich gehe davon aus, dass wir für alle Haftanträge stellen werden.» Der Grund, dass man die Personen in Untersuchungshaft setzt, besteht darin, dass die zuständige Staatsanwaltschaft immer noch daran ist, sich einen genauen Überblick über die Schlägerei in Oftringen zu verschaffen. Sie sucht deshalb weiterhin Zeugen und mögliches Bildmaterial der Auseinandersetzung.

Gerechnet wird in den nächsten Tagen auch mit weiteren Polizeiaktionen gegen die verfeindeten Gruppierungen. «Da an dem Vorfall eine zweistellige Personenzahl beteiligt war, schliessen wir weitere Verhaftungen nicht aus», sagt Oberstaatsanwalt Umbricht.

Die Polizei tappt nach wie vor im Dunkeln über die Hintergründe der gewalttätigen Auseinandersetzungen. Fakt ist: Bereits am Züri-Fäscht stoppte die Polizei 180 Mitglieder von Motorradklubs, darunter auch die Hells Angels, um eine Konfrontation mit den Black Jackets zu verhindern. In Dietikon wurde eine Kampfsportveranstaltung abgesagt, weil man ebenfalls ein Aufeinandertreffen der beiden Gruppen befürchtete.

Nach Informationen der «Schweiz am Sonntag» schwelt der Konflikt bereits seit einigen Jahren. Damals wollten sich Mitglieder der vorwiegend aus Türken und aus dem Balkan stammenden Mitgliedern der Black Jackets im Zürcher Rotlichtviertel etablieren. Es kam zu Verhandlungen und einem Abkommen. Anscheinend wurde dieses jetzt von den Black Jackets gebrochen und gefährdet damit den sogenannten Rocker-Frieden. Dieser besteht aus internen Abmachungen und verhindert, dass es nicht wie in Deutschland oder anderen Ländern zu Rockerkriegen mit Toten kommt.

Hells-Angels-Präsident «Hemi» will zur Thematik im Moment nichts sagen. Nur so viel: «Für uns gibt es keinen Rockerkrieg und das Ganze wird von den Medien viel zu stark aufgebauscht.»

*Name der Redaktion bekannt

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