VON KATIA MURMANN

Die beiden jungen Männer mit dem Bart und den weissen Gebetsmützen auf dem Kopf haben allen Grund zur Freude: Der Islamische Zentralrat (IZRS), den die Konvertiten Nicolas Blancho und Qaasim Illi vor gut einem halben Jahr gegründet haben, ist im Hoch – trotz oder gerade wegen der kritischen Berichterstattung der letzten Tage und Wochen.

Der Islamorganisation geht es sogar so gut, dass sie im Sommer in der Schweizer Hauptstadt eine Botschaft einrichten will – bevorzugt in der Nähe des Bundeshauses: «Wir sind auf der Suche nach fünf bis sechs Zimmern im Herzen von Bern», bestätigt Pressesprecher Qaasim Illi gegenüber dem «Sonntag».

An der Generalversammlung vor einer Woche wurden die nötigen Mittel zur «Einrichtung eines repräsentativen Geschäftssitzes» (Protokoll) bereitgestellt. Nach Angaben von Illi will sich der IZRS seine Botschaft bis zu 2500 Franken im Monat kosten lassen.

Die Muslim-Organisation kann es sich offenbar leisten. Woher der IZRS sein Geld bezieht, wollten die Verantwortlichen auf Anfrage des «Sonntags» nicht offenlegen. Immer wieder gab es Gerüchte, wonach der Verein aus Saudi-Arabien finanziell unterstützt werde. Der IZRS verweist auf Mitgliederbeiträge und Spenden als Einnahmequelle. Ende des Jahres will er eine Jahresrechnung vorlegen. Ob er dabei aber die Herkunft der Spenden angibt, ist höchst fraglich.

Transparent zeigt sich die Organisation bei einem anderen Thema: Erstmals gibt der Verein Einblick in sein Mitgliederverzeichnis. Der «Sonntag» konnte Ordner voller Mitgliedsanträge sichten und zeigt erstmals auf, wer die 960 Mitglieder des Islamischen Zentralrats sind.

60 Prozent der IZRS-Mitglieder sind Männer, 40 Prozent sind Frauen.

Rund 60 Prozent der Mitglieder haben einen Schweizer Pass. Die meisten von ihnen stammen aus Einwandererfamilien.

10 Prozent der Mitglieder sind Schweizer, die zum Islam konvertiert sind. 60 Prozent der Konvertiten sind Frauen, die in den meisten Fällen als Beruf Hausfrau angeben.
Die Mitglieder, die keinen Schweizer Pass haben, stammen vom Balkan, aus der Türkei, aus dem Irak und anderen arabischen Staaten, aber auch aus Pakistan und afrikanischen Staaten wie Libyen, Eritrea oder Somalia.

Rund 80 Prozent der Mitglieder des IZRS sind jünger als 35. Die jüngsten Mitglieder sind 16-jährige Schüler, die ältesten ein 80-jähriges Ehepaar.

Der IZRS zieht offenbar nur wenige Arbeitslose und IV-Rentner an. Die grosse Mehrheit der Mitglieder gibt an, zu arbeiten, vor allem in technischen Berufen, zum Beispiel als Maschinenführer, Informatiker und Elektromonteur. Es gibt viele Chauffeure unter den Mitgliedern, aber auch zwei Imame und Pizzaiolos. Neben Schülern sind auch Studenten der Unis Bern, Luzern und St.Gallen Mitglied im IZRS sowie Lehrer, Kleinkindererzieherinnen, Psychologen, Ärzte, Ingenieure, eine Therapeutin, ein Kunstmaler sowie ein Mitarbeiter der französischen Botschaft in Bern.

Derzeit nimmt der Verein pro Tag nach eigenen Angaben zwei bis vier neue Mitglieder auf, Austritte gab es bisher nur zwei. «Wir gehen seit der Annahme der Minarett-Initiative von einer ziemlich krisenresistenten Basis aus», sagt Sprecher Qaasim Illi.

Künftig will sich der Islamische Zentralrat nach Angaben von Illi verstärkt für die Anliegen der Frauen einsetzen.

In Bern wurde bereits die Möglichkeit geschaffen, dass muslimische Frauen in einer Turnhalle, die von aussen nicht einsehbar ist, Sport treiben können. Das Gleiche soll bald auch in den Kantonen Zürich und Aargau möglich sein.

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