Eigentlich hätte Miley Cyrus kommen sollen. Doch die US-Sängerin musste wegen einer Magenverstimmung absagen. Alexander Mazzara, Chef und Gründer des jungen Musiksenders Joiz, wirkt in den neuen Studios im ehemaligen Postbahnhof, im Osten Berlins, dennoch gelassen. Dabei geht es in acht Tagen los.

Nur zwei Jahre nach der Premiere in der Schweiz startet Joiz nun auch in Deutschland und will das Fernsehen revolutionieren. «Wir sind an den letzten Vorbereitungen», sagt Mazzara. Das merkt man. Überall wird noch gehämmert und gebohrt. Ab dem 5. August um 17 Uhr wird der Sender in Deutschland über Kabel und Satellit empfangbar sein.

Die Studios in Berlin sehen praktisch gleich aus wie in Zürich Oerlikon. Nur, dass statt im Hintergrund nicht die Glatttalbahn, sondern die gelbe U-Bahn vorbeifährt. In der Schweiz startete Joiz 2011. Und gleich zu Beginn gab es eine Panne. «Wir hatten mit technischen Problemen zu kämpfen, das kann natürlich immer passieren», sagt Mazzara. Angst, dass bei der Berlin-Premiere dasselbe nochmals passieren könnte, hat er nicht. Joiz gegründet hat Mazzara zusammen mit den erfahrenen TV-Männern Kurt Schaad, Christoph Bürge und Peter Schulz. Die Idee: ein crossmediales Fernsehkonzept für Jugendliche, das Web, Mobile, Social Media und TV miteinander verknüpft.

Nebst dem eigenen Kapital der Gründer steckt auch Geld der Kapitalgesellschaft Creathor Venture in der Joiz AG. Trotz Unkenrufen der Branche zu Beginn scheint die Rechnung aufzugehen: «Wir sollten dieses Jahr erstmals eine schwarze Null schreiben können», sagt Mazzara. Die Expansion nach Deutschland wird von bisherigen Aktionären finanziert. Was das Projekt kostet, will Mazzara hingegen nicht verraten.

Aber wieso gerade Berlin? «Einerseits bestimmt wegen der Menschen hier. Berlin hat als Start-up-Zentrum Deutschlands eine ungeheure Anziehungskraft auf kreative Köpfe», sagt Mazzara. Tatsächlich zieht als Nächstes der boomende Online-Händler Zalando ins selbe Gebäude. Vor allem aber sei man in Berlin näher an den grossen Musiklabels. Universal ist nur einige Meter weit entfernt. Und die internationalen Stars treten regelmässig in der O2-Arena auf, die ebenfalls nur ein paar Gehminuten weit weg ist.

Diese Woche hat es zwar mit Miley Cyrus nicht geklappt, aber das Interview mit der amerikanischen Sängerin und Schauspielerin Selena Gomez ist bereits im Kasten. «Interviews mit solchen Topshots werden wir dann natürlich auch in der Schweiz ausstrahlen», sagt Mazzara.

Fernsehmachen sei heute viel günstiger als noch vor fünf Jahren, sagt der 38-Jährige. «Die Produktion in Berlin ist nicht teurer als in Zürich, aber der Markt ist zwanzig Mal grösser.» MTV, der Pionier in Sachen Jugend- und Musiksendungen, sei keine Konkurrenz für Joiz. «MTV gibt es nur noch im Pay TV. Unsere Zielgruppe ist heute vor allem auf Online-Portalen und schaut sich Sendungen auf Pro 7 und RTL 2 an.»

Mit diesen Sendern könne er sich durchaus eine Zusammenarbeit vorstellen, zum Beispiel bei der Musik-Castingsendung «The Voice». Eine solche Kooperation realisierte Mazzara auch mit SRF in der Schweiz.

Obwohl die Fernsehszene mittlerweile aus Berlin nach München und Köln abgewandert ist, hatte Joiz keine Mühe, die 50 freien Stellen zu besetzen. Einige Mitglieder des Zürcher Teams entschieden sich für einen Umzug nach Berlin, so wie «Living Room»-Moderatorin Alexandra Maurer, die es diese Woche gar auf das Cover der Zeitschrift «TV Spielfilm» schaffte. «Insgesamt erhielten wir 4000 Bewerbungen, allein 2000 für die Moderatorenpositionen», sagt Mazzara.

Geschafft hat es der Hamburger Martin Tietjen. Ab August moderiert er die Talk-Show «joiZone». «Als ich vom neuen Sender gehört habe, habe ich mich sofort beworben.» Dass Joiz ein Schweizer Sender sei, habe er anfangs nicht realisiert. «Ich wusste gar nicht, dass Schweizer so cool sein können und so schnell etwas auf die Beine stellen.» Deutsche Fernsehsender bräuchten Jahre für ein solches Projekt. «Das braucht Mut.»

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