VON CHRISTOF MOSER UND FLORENCE VUICHARD

Das Rennen findet zwischen FDP und CVP statt. Doch entscheiden, wer letztlich die Ziellinie erreicht, wird die SP. Den Sozialdemokraten um Parteichef Christian Levrat kommt in der Wahl eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin für den abtretenden FDP-Bundesrat Pascal Couchepin die Rolle der Königsmacherin zu, wie sich jetzt zeigt.

Zwar hält sich die SP bewusst zurück und favorisiert derzeit weder die Wahl eines CVP-Kandidaten noch eines FDP-Anwärters: «Die Parteizugehörigkeit ist weniger wichtig als die Person», sagt Levrat in seinem ersten Interview nach dem Couchepin-Rücktritt.

Trotzdem lässt es sich der SP-Chef nicht nehmen, den beiden Mitteparteien bereits erste Bedingungen zu diktieren: «Entscheidend für diese Wahl wird sein, welcher Kandidat die nötige Offenheit für grosse Reformen in der Sozialpolitik zeigt.»

Konkret fordert Levrat einen «Neuanfang in der Sozialpolitik»: Er will die vielen unterschiedlichen Sozialversicherungen zentral zusammenfassen. «Die Bürger interessieren sich nicht für unser Spartendenken in der Politik: Er will eine einzige Anlaufstelle.» Jetzt brauche es in der Regierung jemanden, der den Mut habe, «eine solche grosse Reform an zupacken.»

Die Machtverhältnisse in Bern deuten derweil klar darauf hin, dass in der Herbstsession ein Vertreter der CVP im Poker um den zweiten Bundesratssitz , den bisher die FDP beanspruchte, die besseren Karten hat. Der Mitte-links-Block, bestehend aus dem linksgrünen Lager und der CVP, kommt auf 127 der 246 Stimmen im Parlament – der Rechtsblock aus SVP und FDP nur auf 119.

Ein gewichtiges Wort mitzureden haben bei der Wahl einer Couchepin-Nachfolge angesichts der knappen Mehrheits-verhältnisse auch Kleinparteien wie die BDP. Obwohl FDP-Präsident Fulvio Pelli die BDP unter der Führung von Nationalrat Hans Grunder dem rechten Lager zurechnet, machen BDP-Vertreter hinter vorgehaltener Hand klar, dass sie der FDP ihre Stimme wohl nicht geben werden: Die BDP kann den Sitz ihrer Bundesrätin derzeit eher mit den Kräften Mitte-links sichern.

Und die Abneigung gegen die FDP nimmt in der BDP zu, je stärker der Freisinn die SVP umgarnt – und je mehr Versprechen sie ihr macht. Doch genau dies verlangt SVP-Chefstratege Christoph Blocher von der FDP: «Wir werden die FDP nur unter der Bedingung unterstützen, dass wir unseren zweiten Sitz wieder bekommen», sagt er. Egal wie die Wahl einer Nachfolge für Bundesrat Couchepin ausgeht: Die Wahlen 2011 will Blocher zum Plebiszit über die künftige Ausrichtung der Regierung machen.