Einen Vorteil hätten die vielen Berichte über Strauss-Kahn, sagt Zarina Bried: «Nun passt jede Putzfrau auf der ganzen Welt besser auf, wenn sie ein Hotelzimmer reinigt, während der Gast noch drin ist», glaubt sie. «Jetzt sind alle vorsichtiger.»

Bried hat kürzlich für Aufsehen gesorgt, weil sie für sich und ihre Kolleginnen in einem 5-Sterne-Hotel in Zürich zusammen mit der Gewerkschaft Unia den tariflichen Lohn erkämpft hat. Jetzt sitzt sie in einem Restaurant, erholt sich vom Arbeitstag und redet über den Fall von Dominique Strauss-Kahn, dem vorgeworfen wird, ein Zimmermädchen vergewaltigt zu haben.

«Ich kenne den Fall nur aus den Medien und möchte den Mann nicht vorverurteilen, schliesslich gilt bis zum Ende des Gerichtsprozesses noch die Unschuldsvermutung», sagt sie. «Solch ein Vorfall, bei dem Menschen ihre Position und ihre Macht den Zimmermädchen gegenüber missbrauchen und jeglichen Respekt vermissen lassen, könnte wohl in fast jedem Hotel auf der ganzen Welt in jedem Moment passieren. Aber ich bin überzeugt davon, dass man ziemlich viel tun kann, um eine solch schlimme Situation zu verhindern.» Sie hätte alles dafür getan, um auf sich aufmerksam zu machen, sodass eine Kollegin ihr zu Hilfe eilen könnte, sagt Bried.

«In unserem Hotel betreten wir einen Raum fast nie alleine», sagt sie weiter. «Wir sind eigentlich immer zu zweit unterwegs.» Deswegen sei so ein Vorfall wie in New York in ihrem Hotel wohl unwahrscheinlich. Und entscheidend: Wenn sich der Gast im Hotelzimmer befinde, dürfe man wieder weggehen. «Ich glaube, jedes Zimmermädchen mag es lieber, den Raum zu putzen, wenn der Gast weg ist.» Passiert sei es ihr noch nie, dass ein Gast sie im Hotelzimmer angemacht oder zu einem Drink eingeladen habe, während sie sauber machte.

Glücklicherweise seien die allermeisten Gäste sehr höflich und nett, sagt Bried. «Wenn ich aber das Gefühl habe, dass einer mich komisch anschaut oder er sich sonst seltsam benimmt, dann verlasse ich den Raum.»

Hauptgesprächsthema bei den Zimmermädchen seien immer die Gäste. «Wir betreten ein Zimmer und versuchen uns vorzustellen, wer der Mann oder die Frau ist, die hier wohnt.» Manchmal sehe sie die schönen Kleider und erhoffe sich ein gutes Trinkgeld. «Manchmal aber stinkt es sehr, das Badezimmer ist dreckig und nass, überall liegen Kleider rum, Chaos total.» Diesen Gästen gehe sie lieber aus dem Weg.

Wenn sie im Gang einen Gast treffe, frage sie sich oft, wie es in seinem Zimmer aussehen könnte. «Der Mann in New York hat sein Zimmer wohl sauber und ordentlich hinterlassen, wahrscheinlich hat es gut gerochen in seiner Suite. Er ist berühmt und reich, und diese Gäste sind fast immer anständig.»

Die Filippina wird den Job nicht mehr lange machen. Der Lohn ist zwar höher als noch vor kurzem – 17 Franken und 5 Rappen, den Mindesttarif-Lohn, hat Bried zusammen mit der Unia für sich und ihre Kolleginnen erkämpft. «Das ist aber immer noch zu wenig. Wir putzen meistens 20 Zimmer am Tag, das ist sehr anstrengend, man muss so schnell sein.» Man müsse viel überlegen, wenn man ein Zimmer effizient und schnell aufräumen möchte. «Das unterschätzen viele.»

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