Der prominenteste Andermatter ist überglücklich. Ihm gehört seit Anfang April ein 1000 Quadratmeter grosses Grundstück im Urner Hochgebirge. Und was für eines: Wildenmatten heisst es und liegt auf 2286 Meter über Meer, dreieinhalb Wegstunden von Andermatt entfernt zuhinterst im Unteralptal.

«Es ist ein richtiges kleines Paradies», schwärmt Russi. «Ich bin jede Zeit dort oben, in der es möglich ist.» Inbegriffen sind eine Alphütte, ein glasklares Seeli mitsamt Quelle und eine Bergwiese, die momentan tief unter dem Schnee verborgen liegt. Vergangene Woche wurde die Eigentumsübertragung im Urner Amtsblatt verkündet.

Nächste Woche will der Neueigentümer für zehn Tage nach Wildenmatten ziehen, sofern es das Wetter und die Schneeverhältnisse erlauben. «Das Gebiet ist herrlich für Skitouren.» Tatsächlich: Nur vier Kilometer nordwestlich liegt Russis Hausberg, der Gemsstock, an dessen steilen Hängen er einst das Skifahren erlernte. Auch nicht weit sind die Rheinquelle am Tomasee und der Pizzo Centrale, alles ideale Ausflugsziele für den bergbegeisterten 62-Jährigen.

Doch wie kam Russi zu einer Alp? Zu verdanken hat er sie dem Gewinn der WM-Abfahrt von 1970 in Val Gardena. Nach der triumphreichen Rückkehr in sein Heimatdorf machte ihn die Korporation Ursern zum Ehrenbürger. Und sie schenkte ihm 1000 Quadratmeter Land nach eigener Wahl. Dieses steht der Korporation fast unbegrenzt zur Verfügung: Der grössten Grundeigentümerin im Tal gehören alle Alpen, Wälder und Bergseen. Russi machte jedoch nie Gebrauch vom Geschenk. Erst vor fünf Jahren erinnerte er sich an das Versprechen, als er während einer Grenzexpedition ums Urserntal den Wildenmattensee entdeckte.

Dieses Juwel begeisterte Russi sofort. Er klopfte bei der Korporation an. Kurze Zeit später wurde vereinbart: Der Ex-Skistar erhält als verspätetes WM-Geschenk das Landstück, auf dem bis 2005 die Wildenmattenhütte der SAC-Sektion Basel stand. Allerdings mit der Bedingung, dass er wieder eine Hütte aufbaut und zwei Drittel davon der Öffentlichkeit zugänglich macht. Immerhin: Ein Drittel hat Russi ganz für sich alleine.

Während der Sommer 2007 und 2008 bauten Lehrlinge des Baukonzerns Implenia die Hütte wieder komplett neu auf. Zusammen mit seiner Frau Mari oder der ganzen Familie hat Russi seither etliche Wochenenden auf Wildenmatten verbracht. Manchmal geniesst er seine Alp auch ganz alleine. «Es ist ein Refugium für mich.» Und jetzt gehört es ihm auch wirklich.

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