VON NADJA PASTEGA

Sie wollten sich rächen – und sie taten es virtuell. In Hochdorf LU stellten Sekundarschüler ihre Lehrerin an den Internet-Pranger. Sie suche das sexuelle Abenteuer, sei jederzeit zu haben, man könne sich bei ihr melden. Das schrieben die Schüler auf Facebook. Und stellten den Namen und das Foto der Lehrerin ins Netz.

Ein drastisches Beispiel von Cybermobbing – aber kein Einzelfall. «Das Cybermobbing nimmt zu», sagt der Jurist Peter Hofmann, der die unabhängige Fachstelle für Schulrecht leitet: «In der Schweiz sind bereits zahlreiche Schulen betroffen.» Jetzt wehren sich Lehrer und Schulen gegen den Facebook-Terror – mit drastischen Massnahmen.

Beispiel Kanton Luzern: Die Schulleitung von Hochdorf hat im Februar für alle 1200 Schüler in der Gemeinde neue «Datenschutzrichtlinien» in Kraft gesetzt. Damit will man verhindern, dass erneut ehrverletzende Aussagen auf Facebook gestellt werden. Schüler und Eltern müssen mit ihrer Unterschrift garantieren, dass die Richtlinien eingehalten werden. Wörtlich heisst es in der vertraglichen Vereinbarung: «Die Schülerinnen und Schüler verpflichten sich, mittels elektronischer Medien keine Texte oder Bilder abzusenden, die gegen geltende Gesetze verstossen.»

Im neuen Regelwerk droht die Schulleitung mit harten Sanktionen: «Bei konkretem begründetem Verdacht auf eine strafbare Handlung wird Strafanzeige bei der zuständigen Behörde erstattet.» Weiter wird darauf hingewiesen, dass die Schulcomputer mit Cyber-Razzien überwacht würden: «Es werden laufend automatisierte anonyme Überwachungen durchgeführt», heisst es in den Richtlinien. «Wenn wir etwas feststellen, wird die Identität des Täters ermittelt», sagt Werner Ottiger, Rektor der Schulen in Hochdorf: «Im Extremfall schalten wir die Polizei ein, dann wird dort ermittelt.» Man toleriere «in keiner Art und Weise die Verleumdung unserer Lehrpersonen», so Ottiger. «Jeder Fall von Internet-Mobbing führt zu einer Strafanzeige. Wir haben die Eltern und Schüler darüber informiert.»

Auch in der Nachbargemeinde Kriens LU greift man gegen Diffamierungen auf Facebook durch – notfalls mit juristischen Mitteln. «In einem Fall wurde eine Strafanzeige eingereicht», sagt Markus Buholzer, Rektor der Gemeindeschule Kriens. Das Verfahren sei abgeschlossen. Der Übeltäter wurde von der Jugendanwaltschaft zu einer Arbeitsleistung verurteilt. Doch das digitale Lehrermobbing reisst nicht ab: «Wir hatten auch in diesem Jahr wieder Vorfälle», sagt Buholzer.

Auch im Kanton Zürich wurden Lehrer an den globalen Internet-Pranger gestellt. 30 Schüler der Kantonsschule Enge schlossen sich zu einer eigenen Facebook-Gruppe zusammen, um einem unliebsamen Französischlehrer «die Fresse zu polieren». Jetzt hat die Schule ihren internen Verhaltenskodex um ein Internet-Kapitel erweitert, in dem das Cybermobbing verboten wird. Der Kodex hält fest: «Verunglimpfungen und abwertende Darstellungen von Angehörigen der Schule im Internet sind untersagt. An unserer Schule darf niemand ohne Einwilligung gefilmt oder fotografiert werden.»

Gleich mehrere Fälle von Cybermobbing verzeichnet der Kanton Freiburg. Auch hier geht man jetzt mit Strafanzeigen gegen ehrverletzende Diffamierungen vor. So etwa im Fall eines Schuldirektors, der letztes Jahr auf Facebook übel beschimpft wurde. «Wir haben ihm empfohlen, eine Strafanzeige einzureichen», sagt Isabelle Chassot, Bildungsdirektorin des Kantons Freiburg und Präsidentin der Eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK). Bei Fällen von Cybermobbing schalte man speziell geschulte Präventionsfachleute, die Justiz und die Polizei ein, sagt Chassot. «Es braucht klare Regeln», fordert die oberste Bildungsdirektorin der Schweiz: «Man muss konsequent durchgreifen.»

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