VON NADJA PASTEGA

Friedliche Fussballfans sorgen in den Stadien für eine farbenfrohe Kulisse: Sie hüllen sich in Schärpen und Fan-Schals, sie schminken sich die Gesichter in den Farben ihrer Mannschaft und ziehen fröhlich durch die Strassen. Doch das soll jetzt nicht mehr möglich sein.

Der Grund: Gewalttätige Krawallmacher maskieren sich, um eine Identifizierung zu verhindern und die Internet-Fahndung zu sabotieren. «Wir stellen fest, dass sich Hooligans vermehrt vermummen», sagt Willi Eicher, Chef Planung und Einsatz bei der Kantonspolizei Luzern.

2007 setzte die Luzerner Polizei zum ersten Mal die Internet-Fahndung ein. Mit Erfolg. Ende Mai stellten sie erneut Bilder von Hooligans online. Sieben von acht zur Fahndung ausgeschriebenen Krawallmachern, die beim Cup-Spiel vom 13. April gewütet hatten, konnten inzwischen identifiziert werden. Eine Person ist nach wie vor unbekannt – sie ist vermummt.

«Es wäre super, wenn man das an Demonstrationen geltende Vermummungsverbot auch auf Sportveranstaltungen ausdehnen könnte», sagt Eicher. Rechtlich sei die Null-Toleranz indes schwierig umzusetzen: «Wenn sie eine Schärpe vor dem Gesicht haben, sagen sie dann einfach: ‹Ich habe gefroren.›»

Ein Vermummungsverbot in den Stadien findet bei der Kantonspolizei Zürich Anklang. «Das wäre zu begrüssen», sagt Werner Benz, Kommunikations-Chef bei der Zürcher Kapo: «Die persönliche ‹Freiheit zur Vermummung› muss der abschreckenden Wirkung oder wenigstens der Möglichkeit zur Ahndung von Übergriffen klar nachgehen.»

Im Kanton Bern ist ein Vermummungsverbot bereits in Kraft. Es gilt laut Hans-Jürg Käser, FDP-Polizeidirektor und Regierungspräsident des Kantons Bern, auch bei Sport-veranstaltungen. «Bei Gewaltausbrüchen rund um Fussball- und Eishockeystadien handelt es sich in vielen Fällen um Landfriedensbruch – also um etwas sehr Beängstigendes. Darum bin ich klar für ein Vermummungsverbot.»

Das Problem sei aber die Durchsetzung: «An den Fan-Umzügen laufen jeweils an der Spitze etwa 50 Vermummte. Wenn die Polizei eingreift, wirkt das unverhältnismässig und heizt die Situation an.»

Laut Polizeidirektor Käser müsse man «härter gegen Randalierer vorgehen, die sich nicht an die Spielregeln halten.» Mit einer neuen Videoverordnung, die Anfang Juli in Kraft tritt, will Käser den Einsatz von Überwachungskameras regeln.

«Die Gemeinden sind nun befugt, Hotspots zu überwachen, an denen immer wieder schwere Delikte begangen werden.» Sinnvoll sei es zum Beispiel, auf der Strecke zwischen dem Stade de Suisse und dem Bahnhof Wankdorf Kameras aufzustellen: «Dort geht die Randale ab.»

Auch der Kanton St. Gallen greift jetzt mit einem Vermummungsverbot gegen Hooligans durch. Seit Anfang Jahr ist das revidierte Polizeigesetz in Kraft – neu ist es verboten, sich unkenntlich zu machen. Das Vermummungsverbot gilt nicht nur bei Demonstrationen, sondern auch bei Sport-veranstaltungen. «Wer sich im Umfeld von Sport- und sonstigen Veranstaltungen unkenntlich macht, wird mit Busse bestraft», heisst es im neuen Polizeigesetz.