VON NADJA PASTEGA UND CLAUDIA MARINKA

Junge Täter werden formell oft scharf sanktioniert – doch jetzt kommt aus: Der Vollzug wird in jedem zweiten Fall ausgehebelt. Sie benehmen sich dermassen schwierig, dass der Massnahmenvollzug abgebrochen wird.

«Weniger als die Hälfte der minderjährigen und jungen Täter im Massnahmenvollzug schliessen diesen auch ab», sagt Renato Rossi, Direktor des Massnahmenzentrums Arxhof BL: «Sie kommen vorzeitig auf freien Fuss.»

Das gilt auch für das Massnahmenzentrum Uitikon ZH, das Jugendliche und junge Erwachsene aufnimmt. Im Jahr 2008 haben 16 so genannte Klienten den Massnahmenvollzug normal abgeschlossen – bei 17 Straftätern musste die Massnahme jedoch vorzeitig beendet oder eine Umplatzierung vorgenommen werden. Noch unvorteilhafter war das Verhältnis im Jahr zuvor.

«Das Problem ist uns bekannt», sagt Thomas Manhart, Leiter des Amts für Strafvollzug im Kanton Zürich.

Stossend ist weiter: Weil die Jugendanwaltschaften überlastet sind, werden viele Jugendtäter nicht mehr vorgeladen. Stattdessen erhalten sie einen schriftlichen Verweis – per Post. Im Kanton Zürich wird zwischen A-, B- und C-Delikten unterschieden.

«Alle Jugend-Strafuntersuchungen werden einer von drei Prioritätsstufen zugeordnet», bestätigt Michael Rüegg, Sprecher der Justizdirektion. Zu den C-Delikten gehören Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz oder «geringfügige Diebstähle», so Rüegg: «Untersuchungen der Priorität C werden bei Ersttätern in der Regel im schriftlichen Verfahren geführt.»

«Die Formular-Justiz ist bei Jugendlichen absolut fatal», sagt der Zürcher Strafrechtsprofessor Martin Killias. Damit würden die Strafbehörden für Jugendliche «zum zahnlosen Papiertiger». Das wirke kaum abschreckend. Damit erhöhe sich die Gefahr der Rückfälligkeit.

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