VON NADJA PASTEGA

2091 Gewalttäter in der Schweiz sind Kinder und Jugendliche. Es geht um schlimme Verbrechen – Mord, Raub, Körperverletzung, Vergewaltigung. Jede fünfte Straftat, bei der Gewalt im Spiel ist, wird von einem Minderjährigen begangen – also von Tätern, die jünger als 18 Jahre sind. Das belegt die Kriminalitätsstatistik 2008, die diese Woche vom Bundesamt für Polizei (Fedpol) veröffentlicht wurde.

Die Statistik zeigt: Die drei 16-jährigen Schläger aus Zürich, die im Klassenlager in München einen Passanten spitalreif prügelten, sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Daten des Fedpol zeichnen ein alarmierendes Bild:

Jeder zehnte Straftäter, der ein Menschenleben auslöscht, ist minderjährig. 19-mal waren bei Mord oder vorsätzlicher Tötung Kinder und Jugendliche die Täter.

15 Prozent der Körperverletzungen werden von Minderjährigen begangen. Die Zahl der jugendlichen Schläger stieg in zehn Jahren von 760 auf 1150 – eine Zunahme von 50 Prozent.

Jeder dritte Raub (Diebstahl mit Gewaltanwendung) wird von einem Minderjährigen begangen. 519 Teenies wurden angezeigt. Einige führten Schusswaffen und Messer bei sich, als sie ihre Opfer überfielen.

36 Vergewaltiger sind Kinder und Jugendliche.

367 Teenager stehen wegen Schändung oder sexueller Nötigung vor Gericht.

Auch bei Diebstählen haben Minderjährige ihre Finger im Spiel: 6132 Täter aus dieser Altersgruppe wurden im letzten Jahr ermittelt. Jeder vierte Diebstahl geht auf ihr Konto.

Viele Teenie-Täter sind rückfällig – wie die vorbestraften Zürcher Schläger, die in München eine Prügelorgie veranstalteten. 1260 junge Gewalttäter in der Schweiz sind rückfällig, ergab eine Auswertung des Bundesamts für Statistik – also zwei Drittel.

Ist das Schweizer Jugendstrafrecht zu lasch? Klar ist: In Deutschland werden Täter zwischen 14 und 18 Jahren härter bestraft. Ihnen drohen Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren. In der Schweiz beträgt die Höchststrafe vier Jahre.

«Für die Masse der Täter ist das Schweizer Jugendstrafrecht ausreichend. Doch für Extremtäter muss man sich ernsthaft die Frage stellen, ob es adäquat ist», sagt Brigitte Stump Wendt, Richterin und Dozentin für Strafrecht an der Universität Zürich. Konkret: «Es ist zu diskutieren, ob man die Strafmasse für gewisse Jugendliche, die schwere Delikte begehen, erhöhen muss.»

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