Herr Julen, wie zufrieden sind Sie mit dem Winter-Verkaufsstart?
Franz Julen: Im Prinzip sehr. Bereits Anfang November war es vielerorts kalt, das hat uns geholfen. Und vor allem im Dezember war es 15 Tage in ganz Europa weiss, im Gegensatz zum letzten Winter, der wirklich miserabel war. In den ersten zwei Dezember-Wochen lagen alle Länder zwischen 2 und 20 Prozent über Vorjahr.

Das überrascht. Diese Woche gab Intersport Schweiz einen Verlust von 3,3 Millionen Franken bekannt. Der Umsatz schrumpfte um 16,3 Prozent …
Das stimmt. Genauso wie in Italien und Spanien ist die Situation in der Schweiz schwierig. Hier spüren wir nach wie vor den Einkaufstourismus, den starken Franken, und es war überfällig, dass die Preise für Sportartikel reduziert wurden, was sich auf den Umsatz auswirkt.

Intersport ist Sponsor von vielen Ski-Weltcup-Rennen. Sind die schlechten Resultate der Schweizer Mannschaft mitschuldig am Minus?
Nein, der Schnee ist wichtiger als die Resultate der Schweizer. Aber mir blutet natürlich das Herz, wenn ich sehe, wie mit wenig Selbstvertrauen der Grossteil der Rennfahrer ans Werk geht.

Sie waren in den 80er-Jahren Betreuer Ihres Bruders und Ski-Olympiasiegers Max Julen. Was läuft heute falsch?
Ich bin zu weit weg, um dies seriös beurteilen zu können. Was mir aber besonders Sorgen macht, ist, wie ratlos die Trainer sind. Sie wirken wie angezählte Boxer, die im Ring herumtaumeln, anstatt die Athleten mit Leidenschaft zu motivieren und an sie zu glauben.

Ist Urs Lehmann noch der richtige Ski-Verbandspräsident?
Absolut. Er versteht den Sport und ist ein Macher mit Management-Fähigkeiten.

Er wird zum Teil kritisiert, weil er Mitinhaber und Präsident der Sportleragentur GFC ist. GFC vermarktet viele Schweizer Skifahrer wie Carlo Janka oder Beat Feuz. Ein Problem?
Ja, das ist ein Interessenskonflikt sondergleichen. Denken Sie nur an Selektionsentscheide, die dadurch in ein falsches Licht gerückt werden könnten. Oder an Werberechte, bei denen es darum geht, ob sie der Verband oder der einzelne Sportler erhält. Kürzlich hat Lehmanns Agentur den Verband, den er präsidiert, wegen der medizinischen Betreuung von Beat Feuz kritisiert.

Was wäre für Sie die Lösung?
Ganz einfach: Man müsste den Swiss-Ski-Präsidenten anständig entlöhnen, ihm dann aber jegliche anderen Mandate verbieten.

Zurück zu Intersport: Wie zufrieden sind Sie mit dem laufenden Jahr insgesamt?
Als Gruppe liegen wir Ende November 4 Prozent im Plus. Diesen Vorsprung sollten wir, trotz wieder wärmerem Wetter und zwei Verkaufstagen weniger im Dezember, bis Ende Jahr halten können. Vor allem unsere beiden grössten Märkte Deutschland und Frankreich laufen sehr gut. Auch mit Kanada und Osteuropa sind wir zufrieden. Letztes Jahr erzielte die Gruppe 9,9 Milliarden Euro Umsatz. Dieses Jahr werden es über 11 Milliarden sein.

Auch weil Sie die US-Schuh-Kette The Athlete’s Foot gekauft haben.
Ja, aber nicht nur. Das Jahr begann gut mit dem Winterverkauf, danach kamen die Fussball-EM und die Olympischen Spiele.

Werden die Sportgeräte günstiger?
Weltweit kaum, in der Schweiz wegen der Währungssituation hingegen schon. In unserem wichtigsten Beschaffungsmarkt China gibt es zwar vermehrt Produktionskapazitäten, weil die Binnennachfrage etwas nachgelassen hat. Auch die Rohmaterialpreise, zum Beispiel Baumwolle für Textilien, sind am Sinken. Langfristig rechnen wir aber mit steigenden Beschaffungspreisen. In Asien wird der fairen Entlöhnung vermehrt Bedeutung geschenkt. Zu Recht.

Also weichen Sie auf Billigländer aus?
Wir produzieren unsere Eigenmarken noch immer stark in China, gehen aber vermehrt nach Bangladesch, Indien, Indonesien und Vietnam und produzieren gewisse Textilien und Wintersport-Hartwaren in Europa.

Wie stark werden Sie in den nächsten Jahren expandieren?
In Westeuropa kaum, hier sind wir schon in fast jedem Land Marktführer. In Osteuropa sind wir praktisch in allen Ländern mit 390 Geschäften vertreten. Dort wachsen wir weiter im mittleren bis hohen einstelligen Bereich. Im Mittleren Osten sind wir mit 16 Geschäften präsent. Nächstes Jahr kommen fünf weitere Shops in Kuwait, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten hinzu. In Südkorea verfügen wir über neun Geschäfte. Dort folgen in den nächsten fünf Jahren 25 bis 30 neue Verkaufsstellen.

Und in China?
Im August und September eröffnen wir unsere ersten drei Shops. In fünf Jahren möchten wir in China zwischen 80 und 100 Geschäfte betreiben. Gefragt sind dort Sport- und Freizeitschuhe, Fussball, Fitness und vor allem Basketball und Tischtennis.

Heute beschäftigt Ihre Gruppe weltweit 65 000 Mitarbeiter. Wie viele Stellen kommen nächstes Jahr dazu?
Aufgrund der Expansion, der geplanten Neueröffnungen sowie der Vergrösserung von Geschäften schaffen wir 2013 innerhalb der Gruppe bis zu 3000 neue Stellen.

Mit der Übernahme von The Athlete’s Foot sind Sie neu auf einen Schlag nicht mehr in 41, sondern in 63 Märkten vertreten. Da besteht die Gefahr, den Überblick zu verlieren.
Das denke ich nicht. Schliesslich besteht mit unserem Franchising-System in jedem Markt eine grosse Eigenverantwortung und wir führen Intersport und The Athlete’s Foot als eigenständige Geschäftseinheiten. The Athlete’s Foot ist in Mexiko, Peru, Indonesien, Australien, Neuseeland und in den USA stark präsent. Das sind Märkte, in denen wir mit Intersport noch nicht vertreten sind.

The Athlete’s Foot hat rund 400 Shops. Wie sehen Ihre Pläne aus?
Langfristig sehe ich ein Potenzial von 2000 Geschäften, und mittelfristig 1000. Vor allem in den USA, Brasilien, Argentinien, Skandinavien, Osteuropa und weiten Teilen von Asien sehe ich für The Athlete’s Foot riesige Marktchancen. Und es ist gut möglich, dass wir auch in der Schweiz Geschäfte eröffnen werden.

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