Der katholische Tabubruch wurde um 9.30 Uhr im Pfarrhaus der Elisabethenkirche in Basel verkündet: «Gleichstellung in der Kirche? Jawohl!» Mit dieser Lösung lancierten zwei Initiativkomitees aus Basel-Stadt und Baselland am Dienstag ihre «Gleichstellungsinitiative», die an den Glaubensfesten der katholischen Kirche rüttelt. Die Initiative zwingt die kirchlichen Behörden, darauf hinzuwirken, «dass die römisch-katholische Kirche die gleichberechtigte Zulassung zum Priesteramt ermöglicht» – die Priesterweihe, so der Initiativtext, soll möglich sein «unabhängig von Zivilstand und Geschlecht». Das heisst: Zum Priesteramt sind neu nicht nur Frauen und verheiratete Männer zugelassen – sondern auch Homosexuelle, die in einer Partnerschaft leben.

«Im Vordergrund stehen für uns das Frauenpriestertum und die Abschaffung des Pflichtzölibats, aber die Initiative bedeutet auch die Gleichstellung für Homosexuelle», bestätigt die basel-städtische Initiantin Anita Lachenmeier, Nationalrätin der Grünen. Der Initiativtext sei «offen formuliert», so Lachenmeier: «Auch Homosexuelle wären zum Priesteramt zugelassen.»

Für Mitinitiant Oswald Inglin, Grossrat der CVP und ehemaliger Synodenpräsident der römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt, sind schwule Priester kein Problem. «Das geht zwar noch einen Schritt weiter als die Zulassung von verheirateten Männern, die katholische Kirche müsste über einen noch grösseren Schatten springen. Aber für mich sind homosexuelle Männer und lesbische Frauen kein Hindernis für die Priesterweihe», sagt der CVP-Politiker. In der katholischen Kirche gebe es «viele homosexuelle Priester, die eine Beziehung haben».

Auch Anne Peters, Mitglied des Initiativkomitees von Baselland und Professorin für Völker- und Staatsrecht an der Universität Basel, will eine konsequente Gleichstellung bei der Priesterweihe: «Ich bin für die Zulassung unabhängig von der sexuellen Orientierung.»

33 Katholiken gehören zu den beiden Initiativkomitees in Basel-Stadt und Baselland, darunter mehrere Ex-Mitglieder der Kirchenbehörden, Juristen und Professoren der Universität Basel. Die Unterschriftensammlung startet an diesem Pfingstwochenende.

Gegen die sakrosankte Priesterweihe, beschränkt auf zölibatär lebende Männer, wurden in der Schweiz schon unzählige Unterschriftensammlungen gestartet. Neu an den jetzt lancierten Basler Vorstössen: Erstmals wird der Weg über eine Verfassungsinitiative gewählt. Die Kirchenverfassungen der Basler Landeskirchen sollen mit einer Gleichstellungs-Bestimmung ergänzt werden. Ein verpflichtender Auftrag an die Behörden der katholischen Landeskirchen, sich für die Gleichberechtigung einzusetzen.

Bischof Norbert Brunner, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, weist die Initianten in die Schranken. Die staatskirchenrechtlichen Behörden seien nur für die Verwaltung und die Finanzen zuständig, «Fragen des Glaubens und der Sitten gehören in die Zuständigkeit des kirchlichen Lehramts, also von Papst und Bischöfen», sagt Brunner. Auch die Priesterweihe von Homosexuellen findet beim obersten Bischof der Schweiz keine Gnade: Nach der Kirchenlehre werde die Sexualität «in ihrer idealen Form in einer dauerhaften Beziehung zwischen Mann und Frau gelebt, also in der Ehe». Alle anderen Formen würden «nicht diesem Ideal entsprechen». Eine Absage erteilt Bischof Brunner auch dem Frauenpriestertum.

Dafür gibts Kritik. «Wenn die katholische Kirche den Status als Landeskirche will, muss für sie die Bundesverfassung gelten», fordert der katholische Theologe Christoph Schmitt, TV-Sprecher beim «Wort zum Sonntag». In der Verfassung sei die Gleichstellung von Mann und Frau garantiert. Als «scheinheilig» bezeichnet Schmitt die Haltung zur Homosexualität. «Es ist ein offenes Geheimnis, dass die katholische Kirche Schwule zu Priestern weiht», so TV-Pfarrer Schmitt: «Ich habe mich in Deutschland auf das Priesteramt vorbereitet, in meinem Jahrgang wurden 20 Kollegen zu Priestern geweiht – davon waren mindestens fünf schwul. Und sie leben das auch.»

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