Die Verhaftung des ehemaligen UBS-Topbankers Raoul Weil machte weltweit Schlagzeilen. Doch Weil ist nicht der einzige Schweizer, der von der US-Justiz verfolgt wird. Mindestens 24 Banker sind heute in den USA angeklagt, die Hälfte von ihnen ist zur Verhaftung ausgeschrieben. Zwei weitere gelten – wie bis vor einer Woche Raoul Weil – als «flüchtig». Das zeigt eine Auswertung der Anklageschriften durch die «Schweiz am Sonntag». Gejagt werden die Banker, Vermögensverwalter und Anwälte von den in Florida, New York und Virginia domizilierten Bundesstaatsanwälten.

Gut möglich, dass die US-Justiz noch mehr Schweizer im Visier hat. Denn amerikanische Ermittlungsbehörden dürfen Anklageschriften ziemlich lange unter Verschluss halten. Selbst die Angeklagten kennen dann den Inhalt nicht. Von den 24 Angeklagten arbeitet oder arbeitete ein Drittel für die Grossbank Credit Suisse, die selbst im Visier der US-Justizbehörden steht. Gegen alle acht CS-Banker liegt ein Haftbefehl vor. Die ersten vier wurden im Februar 2011 zur Verhaftung ausgeschrieben, die zweiten vier im Juli 2011. Haftbefehle liegen auch vor gegen drei Mitarbeiter der früheren Bank Wegelin sowie gegen einen unabhängigen Zürcher Anwalt.

Auf der Flucht sind auch ein Private Banker sowie ein Anwalt, die beide für die in der Zwischenzeit liquidierte Neue Zürcher Bank tätig waren. Den 14 Flüchtigen droht, sollten sie die Schweiz verlassen, das gleiche Schicksal wie Raoul Weil. Die 10 weiteren angeklagten Banker sind dank fehlendem Haftbefehl etwas freier, dürften aber bei einer Einreise in die USA ebenso geschnappt werden.

Die Verhaftung von Raoul Weil in Bologna beschäftigte am Mittwoch auch den Bundesrat, wie Regierungssprecher André Simonazzi bestätigt. Der Bundesrat sei vom Vorsteher des Aussendepartements, also von Didier Burkhalter, «über die vorhandenen Informationen diesbezüglich ins Bild gesetzt» worden.

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