Herr Künti, Ihr Urlaub wurde zum Albtraum. Seit zwei Wochen sitzen Sie in Ihrem Hotel fest und dürfen Ägypten nicht verlassen. Ihre Schüler warten in Ipsach BE auf sie. Wie geht es Ihnen?
Rolf Künti: Es geht mir einigermassen gut. Ich bin eher eine ruhige Person, aber es ist schon ein komisches Gefühl. Ich sitze hier und weiss nicht, ob und wann es weitergeht. Ich bin psychisch sicher angeschlagen. Ich erfahre aber viel Unterstützung aus der Heimat. Heute habe ich gehört, dass ein Schüler ein T-Shirt mit der Aufschrift «Free Künti» trug.

Warum können Sie nicht ausreisen?
Offenbar gab es eine Verwechslung mit meinem Namen. Am Flughafen kurz vor der Passkontrolle rief ein Polizist meinen Namen aus und hiess mich mitzukommen. Die Beamten nahmen mir den Pass ab und liessen mich über eine Stunde warten. Als ich mich zum wiederholten Male erkundigte, wo das Problem sei, antwortete mir ein Polizist: «Sie fliegen heute nicht. Ihr Name steht auf der schwarzen Liste.» Dann setzten mich die Polizisten vor die Tür und gaben mir ein Verbot, den Flughafen wieder zu betreten. Ich hatte kein Gepäck und kein Geld mehr. Und an den Geldautomaten im Flughafen konnte ich auch nicht. Ein Flughafenmitarbeiter gab mir etwas zu essen und bezahlte mir schliesslich die Taxifahrt zurück ins Hotel.

Wie kann es sein, dass Ihr Name auf einer schwarzen Liste auftaucht?
Ich gehe davon aus, dass es eine Verwechslung gab. Die Beamten notierten sich meinen Namen auf Arabisch. Ich nehme an, dass es dabei zu einem Missverständnis kam. Mittlerweile hat mir aber der Schweizer Botschafter in Kairo gesagt, es gehe nicht, wie zunächst spekuliert wurde, um Terrorismus.

Das Aussendepartement EDA hat zu Ihrem Fall nicht informiert. Sie haben sich trotzdem an die Medien gewandt. Vertrauen Sie dem EDA nicht?
Das EDA hat mir nie geraten, die Medien zu meiden. Ich wollte, dass Familie und Freunde informiert werden. Seit die Medien berichten, tut sich etwas. Zudem habe ich gehört, dass die ägyptische Botschaft in Bern erst nach zehn Tagen informiert worden sei. Wenn das stimmt, bin ich schon etwas enttäuscht.

Könnte die Politik mehr machen, um Ihnen zu helfen?
Mir ist es nur schon unangenehm, dass sich der Botschafter um mich kümmern muss. Ich wollte einfach nur in die Ferien fahren und nun ist daraus ein Fall für die Politik geworden. Ich möchte möglichst schnell nach Hause. Wenn der Bundesrat etwas erreichen könnte, wäre das schön.

Sie sind SVP-Gemeinderat. Ihre Partei hat viele Muslime mit dem Minarettverbot verärgert. Denken Sie, Ihre Situation hat auch eine politische Dimension?
Nein, das denke ich nicht. Schliesslich vertrete ich eher liberale Positionen und bin erst seit Januar im Gemeinderat. Eine solche Verwechslung hätte jedem passieren können.

Was machen Sie nun den ganzen Tag?
Ich bin gefangen im goldenen Käfig. Ich wohne im Hotel und kann es trotzdem nicht geniessen. Mein Telefon klingelt ständig. Mal ist es die Botschaft, mal die Medien. Mittlerweile habe ich aber Leute kennen gelernt, die ab und zu mein Telefon hüten. So kann ich auch mal ins Wasser. Immerhin bin ich an der Sonne schön braun geworden.

Wann rechnen Sie damit, zurück in die Schweiz fliegen zu können?
Letzte Woche hoffte ich immer darauf, am nächsten Tag abreisen zu können. Nun habe ich es aufgegeben. Vielleicht kann ich Anfang nächster Woche heimfliegen. Der Schweizer Botschafter in Kairo sagte mir, er habe am Sonntagabend ein Gespräch im Aussenministerium.

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