VON MICHAEL WALTHER

Wie gross ist der Imageschaden in der Schweiz?
Wir haben keinen Einfluss auf unser Schweizer Geschäft festgestellt. Wir denken, dass uns die Kunden nach den Anstrengungen beurteilen, die wir beim Finden einer raschen Lösung unternehmen.

Wenn das Ausmass der Katastrophe bekannt ist, könnte es auch in der Schweiz Reaktionen geben. Befürchten Sie Boykotte?
Im Hinblick auf die gegenwärtige Situation können wir die Reaktion einiger Menschen verstehen. Ich versichere Ihnen aber, dass BP alles tut, um unter Zuhilfenahme der neuesten verfügbaren Technologien das Problem zu lösen. BP als Mitbesitzerin des Ölfeldes hat von Anfang an die Verantwortung für die Umweltkonsequenzen übernommen, obwohl sich die Explosion auf einem Transocean-Bohrturm ereignet hat, der weder im Besitz von BP stand noch von ihr betrieben wurde.

Was bedeutet die Erdölkatastrophe für den Schweizer Markt von BP?
Da das Ölfeld noch nicht erschlossen war, gibt es keinen Einfluss auf die weltweite Versorgung – das gilt auch für die Schweiz.

Drohen BP nun Verluste wie einst Shell nach der Brent-Spar-Affäre?
Meiner Ansicht nach lassen sich die beiden Ereignisse nicht miteinander vergleichen. BP ist eine grosse, globale Gesellschaft, und wir verpflichten uns, alle legitimen und objektiv nachprüfbaren Schadenersatzansprüche und Schäden des Ölaustrittes zu übernehmen.

Wie reagierten Sie persönlich auf die Meldungen über den schlimmen Unfall im Golf von Mexiko?
Ich bin sehr betroffen und drücke den Angehörigen der Transocean-Mitarbeiter, die bei diesem tragischen Ereignis Familienmitglieder und Freunde verloren haben, mein Mitgefühl aus. Wir versuchen an allen Fronten, die Folgen des Unfalls einzudämmen: auf dem Meeresboden, auf der Wasseroberfläche und an der Küste. Dabei setzen wir alle erdenklichen Mittel und Technologien ein, die unserer Meinung nach sinnvoll sind, auch wenn sie bis anhin in solchen Tiefen nicht zur Anwendung kamen.

BP bohrte mit der Deep Water Horizon in sehr tiefen Gewässern, wo die Risiken gross sind. Ist nun Ihrer Meinung nach eine kritische Grenze bei der Ausbeutung des Erdöls erreicht?
Die gesamte Ölbranche muss sich damit befassen. Zu Recht gibt es in unserer Branche sehr strenge Gesundheits- und Sicherheitsauflagen. Sobald die Untersuchungen dieses tragischen Ereignisses auf dem Bohrturm von Transocean abgeschlossen sind, werden sicher Schlüsse gezogen.

Steigt nun eigentlich der Benzinpreis von BP in der Schweiz?
Die Säulenpreise von Benzin und Diesel in der Schweiz sollten durch diesen Vorfall nicht beeinflusst werden – die Ölpreisnotierungen an den internationalen Börsen haben sich ebenfalls nicht spürbar geändert. Die Preise in der Schweiz sind nicht nur von der Börse, sondern auch von anderen Faktoren abhängig. Dazu gehören unter anderem der Produktepreis, der aktuelle Dollarkurs, die Frachtpreise auf dem Rhein und schliesslich auch der lokale Wettbewerb.

Welche Lehren zieht BP Switzerland aus dieser Katastrophe?
Auch wenn wir in der Schweiz keine Ölförderung betreiben, hat Sicherheit für uns immer oberste Priorität, heute und auch in der Zukunft.

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