Der Titel lautete «Patty-Schlamassel» und der Artikel erschien am 29. März, gezeichnet: «Von der Blick-Sportredaktion». Gegen Patty Schnyder seien beim Betreibungsamt Höfe SZ Forderungen in Höhe von 379260.86 Franken eingegangen. Der «Blick» fragte bang: «Ist Patty Šchnyder einfach schlampig? Hat das Tennis-Ass kein Geld mehr oder ist sie Opfer eines Betrügers?» Dass die Autoren nicht genannt wurden, sollte sie vor juristischen Schritten schützen – tut es aber nicht. Nur einen Tag später ging bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich eine Strafanzeige ein, gefolgt von einer weiteren am 4. April. Die Absender der insgesamt über 100 Seiten: Patty Schnyder und ihr Ehemann Rainer Hofmann. Mindestens vier Artikel des Strafgesetzbuches seien verletzt worden, heisst es in den Klagen:

Art. 143: Unbefugte Datenbeschaffung
Art.173: Ehrverletzung und üble Nachrede
Art. 174: Verleumdung
Art.322: Nichtverhinderung einer strafbaren Veröffentlichung

Es seien Grenzen überschritten worden, sagt Schnyder im Interview mit dem «Sonntag» (siehe unten): «Wir haben diese Strafanzeigen auch in der Hoffnung veranlasst, dass anderen Menschen vielleicht erspart bleibt, was wir mittlerweise über ein Jahrzehnt erleben müssen.»

Weder Schnyder noch Hofmann bestreiten, dass gegen sie Betreibungen vorliegen. Doch der vom Boulevardblatt vermittelte Eindruck, das Ehepaar hätte finanzielle Probleme, sei falsch: «Wir sind nicht pleite.»

Schuld am Schlamassel sei ein gewisser Andrew B.* aus London – ihr Treuhänder. Dieser habe während Jahren rund 1,4 Millionen Franken für eigene Zwecke abgezweigt. Dem «Sonntag» liegt eine eidesstattliche Versicherung von B. vor. Darin übernimmt der Treuhänder eine Schuldanerkennung und verpflichtet sich, den Schaden in monatlichen Raten von bis zu 2000 Franken zu bezahlen. «Ich entschuldige mich für mein schlimmes Verhalten und weiss, dass es dafür eigentlich keine Entschuldigung gibt», heisst es weiter. Eine Kontaktaufnahme mit B. war jedoch nicht möglich.

Jetzt wird die «Blick»-Berichterstattung zu einem Fall für die Justiz. Die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich bestätigt den Eingang der Strafanzeigen. Besonders eine Schlagzeile stiess dem Paar sauer auf: «Polizei suchte Pattys Mann». Wegen Forderungen von 228668 Franken hätte bei Rainer Hofmann die Pfändung vollzogen werden sollen. Dabei sei sogar ein Gesuch um polizeiliche Zuführung gestellt worden. Das habe sich jedoch längst erledigt, sagt Franz Stössel vom Betreibungsamt Höfe: «Er wird sicher nicht von der Polizei abgeholt, wenn er wieder in der Schweiz ist.»

Am Samstag sind Patty Schnyder und Rainer Hofmann vom WTA-Turnier in Charleston USA nach Europa zurückgekehrt. «Das Bild, das man uns andichten will, ist komplett falsch», sagen sie. «Blick»-Sportchef Felix Bingesser gibt sich derweil «sehr gelassen», wie er auf Anfrage sagt. Die Artikelserie sei sauber recherchiert gewesen. Zumindest bei einem verwendeten Foto bleibt dies offen. Es zeigt laut Bildlegende «ein idyllisches Haus» am Tankumsee nahe Wolfsburg (D). Doch das Paar sagt: «Dort haben wir nie gewohnt.»

*Name der Redaktion bekannt


INTERVIEW: SANDRO BROTZ

Patty Schnyder, was hat Sie bei der Berichterstattung über Ihre angeblichen Finanzprobleme am meisten getroffen?
Patty Schnyder: Es sind Sachen, die nicht so in die Öffentlichkeit gehören. In jedem Unternehmen gibt es Probleme zu lösen. Das ist bei mir nicht anders. Ich habe das Recht, meine Angelegenheiten zu klären. Wenn ich dabei die Hilfe eines Gerichts in Anspruch nehmen muss, ist das legitim.

Sie wehren sich jetzt mit Strafanzeigen gegen den Ringier-Verlag. Weshalb dieser Schritt?
Es gibt Grenzen. Im Fall des Hauses Ringier und des Trittbrettfahrerjournalismus aus dem Hause Tamedia kann man nicht tatenlos zusehen. Die Verantwortlichen, besonders der Initiator, müssen und werden zur Rechenschaft gezogen werden. Wir haben diese Strafanzeigen auch in der Hoffnung veranlasst, dass anderen Menschen vielleicht erspart bleibt, was wir mittlerweise seit über einem Jahrzehnt erleben.

Der «Blick»-Sportchef schrieb in einem Kommentar: «Wach auf, Patty». Warum hat man sich derart auf Sie eingeschossen?
Das scheint gewissen Leuten Freude zu bereiten, oder es rettet deren Arbeitsplatz. Dieser Kommentar bedarf keiner weiteren Erläuterung und ist mehr als deplatziert.

Dennoch gab es Betreibungen gegen Sie. Haben Sie auch Fehler gemacht?
Sicher haben wir in der Organisation nicht fehlerlos gearbeitet. Alles ist immer so gut wie das schwächste Glied. Natürlich konnte man mit der Situation in dieser Form nicht rechnen, aber jetzt ist es, wie es ist. Wir stellen uns nicht als Opfer hin, auch wenn Zitate mit Aussagen verbreitet wurden, die wir niemals gemacht haben. Es ist ein extrem langwieriger Ablauf, im Nachhinein alles zu kontrollieren. Da werden wir unser Bestes geben müssen. Wer ein Anrecht auf etwas hat, soll es auch bekommen. Wo es Fragen oder zwei unterschiedliche Meinungen gibt, muss ein Dritter entscheiden.

Sind Sie noch Millionärin oder müssen wir uns um Sie Sorgen machen?
Nein, bitte nicht. Niemand braucht sich Sorgen um mich zu machen. Ich bin nicht pleite.

Wie wirken sich diese erneuten Schlagzeilen auf Ihre Beziehung mit Rainer Hofmann aus?
Was soll sich an der Beziehung zu meinem Ehemann ändern, ausser dass wir im Moment noch weniger Zeit füreinander haben als sonst? Wir teilen unsere Dinge, in guten und in schlechten Zeiten. Das ist ganz normal bei uns. Warum sollte es anders sein als in anderen Familien?

Fühlen Sie sich beim Tennisspielen blockiert?
Ich fühle mich mit fast 33 Jahren eher ein wenig eingerostet (lacht). Ich kann mit Drucksituationen umgehen. Das habe ich gelernt.

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