Wer glaubt, die steigenden Hypozinsen würden bald auch zu höheren Mieten führen, der irrt. Die Entwarnung kommt vom Direktor des Bundesamts für Wohnungswesen persönlich: «Der Referenzzinssatz für die Mietzinsgestaltung reagiert sehr träge, und es könnte sogar sein, dass er noch etwas fallen wird», sagt Erwin Hauri.

Dieser Satz, der vom Bund vierteljährlich festgelegt wird, ist seit 2008 massgebend dafür, ob die Vermieter die Mietzinsen anheben dürfen – oder senken müssen. Früher war der variable Hypothekarzinssatz der Kantonalbanken massgebend.

Am 2. September wird das Bundesamt für Wohnungswesen den neuen Referenzzinssatz bekannt geben. Seit einem Jahr beträgt er 2,25 Prozent, nachdem er stetig von einst 3,5 Prozent gefallen war. Es ist nicht auszuschliessen, dass der Referenzzinssatz nun sogar auf 2 Prozent sinkt. Das würde bedeuten, dass die Vermieter den Mietzins um 2,9 Prozent reduzieren müssten.

Warum aber steigt der Referenzzinssatz nicht, wo doch seit Anfang Jahr vor allem die langfristigen Hypozinsen, aber auch der variable Satz deutlich gestiegen sind (siehe Grafik)? «Der Referenzzinssatz ergibt sich aus dem Durchschnitt aller Hypotheken in der Schweiz, auch der bestehenden», sagt Amtsdirektor Erwin Hauri. «Zudem laufen zurzeit viele teure Hypotheken aus, die noch vor der Tiefzinsphase abgeschlossen wurden, und sie werden durch günstigere Hypotheken ersetzt.»

Gute Nachrichten für die Mieter, schlechte Nachrichten aber für diejenigen, die vorhaben, in den nächsten Monaten eine Hypothek abzuschliessen: Sie zahlen deutlich mehr als noch vor wenigen Monaten. Bei den variablen Sätzen wurde erstmals wieder die Marke von 3 Prozent erreicht. Die Nidwaldner Kantonalbank, die AXA Winterthur und die Tessiner Kantonalbank bieten nun variable Hypotheken zu diesem Satz an. Andere, etwa die Zürcher und die Aargauische Kantonalbank, liegen bei 2,5 beziehungsweise 2,75 Prozent.

Aussagekräftiger als der variable Hyposatz, der in der Tiefzinsphase an Bedeutung verloren hat, sind die langfristigen Hypozinsen. Pascal Niquille, CEO der Zuger Kantonalbank, sagt dazu: «Der Markt ist zurzeit extrem nervös. Das sah man im Juli, als Äusserungen des Fed reichten, um die Zinsen am langen Ende um 50 Basispunkte in die Höhe zu treiben.» Am langen Ende bedeutet: bei langfristigen Hypotheken, etwa bei den 10-jährigen.

«Historisch gesehen haben wir immer noch sehr tiefe Zinsen», sagt Niquille. Die Zuger Kantonalbank ist das Institut der Schweiz, das für Zehnjährige mit 2,94 Prozent gemäss Comparis aktuell den höchsten Zinssatz verlangt. «Wir verfolgen eine konstant vorsichtige Kreditpolitik», sagt Niquille. «Man stellt in der Branche aber fest, dass auch Geschäfte abgeschlossen werden, die eigentlich nicht abgeschlossen werden dürften.»

Die Nationalbank warnt seit langem vor einer zu leichtfertigen Kreditvergabe und vor einer Blase am Immobilienmarkt. Im obersten Preissegment sieht jedoch Niquille eine Beruhigung: «Da gehen nicht mehr alle Objekte sofort weg ‹wie frische Weggli›, das Angebot auf dem Markt ist wieder grösser und bei den Preisen scheint das Ende der Fahnenstange erreicht.»

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