Die «Solothurner Zeitung» titelte vor vier Monaten: «Hypozinsen auf neuem Rekordtief». Damals verlangten die Banken für eine 10-jährige Hypothek rund 2,35 Prozent – tiefer kanns gar nicht mehr gehen, dachte man. Doch jetzt ist das Unglaubliche eingetreten: Im Verlauf des Mai sackten die Sätze nochmals ab.

Sagenhafte 1,5 Prozent kostet eine Hypothek mit einer Laufzeit von zehn Jahren jetzt bei der Online-Bank Swissquote, welche die Kredite zusammen mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank anbietet. Nachdem die Zinssätze für ein- bis zweijährige Festhypotheken bereits in den vergangenen Jahren stark gesunken sind, sind nun auch die Zinsen für sehr langfristige Hypotheken eingebrochen. Das ist ein Zeichen dafür, dass derzeit niemand an ein baldiges Ansteigen der Zinsen glaubt.

Die Gründe für die Baisse bei den Zinsen: Die Banken können sich bei den Zentralbanken weltweit so günstig refinanzieren wie noch nie. Eine Ausnahme sind Krisenstaaten wie Griechenland oder Spanien, wo die Zinssätze explodiert sind. Die Schweiz bietet die tiefsten Zinsen überhaupt. Auch deshalb, weil die Nationalbank die Sätze zurzeit unmöglich erhöhen kann – denn sonst würde sie den Franken aufwerten und den Euro-Mindestkurs gefährden.

Die 1,5 Prozent bei Swissquote bedeuten: Die Finanzierung eines Hauses im Wert von einer Million Franken kostet theoretisch gerade mal 1250 Franken pro Monat. Swissquote ist nicht die einzige Bank, die unter 2 Prozent für 10-Jährige geht. Die als konservativ geltende Postfinance publizierte am Donnerstag einen Richtsatz von 1,95 Prozent.

Noch etwas tiefer liegt der Richtsatz der Migrosbank. «Vor kurzem hatten wir einen neuen Rekordwert», sagt Albert Steck, Sprecher der Migrosbank. Mitte Monat verlangte die Bank für die zehnjährige Hypothek noch 1,89 Prozent. Inzwischen ist der Zinssatz leicht auf 1,93 Prozent angestiegen. Solche Richtwerte sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen. Oft lassen die Banken mit sich verhandeln. So kann der Richtsatz um bis zu 0,3 Prozentpunkte unterboten werden.

Auch bei Kantonalbanken, von denen die meisten einen Richtsatz von aktuell 2,0 Prozent publizieren, lassen sich mit geschicktem Verhandeln 1,7 Prozent herausholen. Viele Banken werben zudem mit Rabatten in den ersten Jahren eines Kredits um neue Kunden, sodass aus ausgeschriebenen 2,0 Prozent schnell einmal 1,6 Prozent werden.

Grotesk hoch sind die variablen Hypothekarsätze, die im langfristigen Vergleich wesentlich tiefer sind als die festen Zinsen. Die Aargauische Kantonalbank etwa lockt mit attraktiven Festhypotheken, schreibt aber zu den variablen Hypotheken, dass diese für einen «Zinssatz ab 2,75 Prozent» zu haben seien.

Kein Wunder schliesst zurzeit niemand variable Kredite ab. Bei der Migrosbank machten sie Ende 2011 gerade noch knapp 10 Prozent der ausstehenden Kredite aus. Andere Banken bieten gar keine variablen Hypotheken mehr an. Die UBS etwa hat diese schon vor Jahren abgeschafft. Erstaunlicherweise ist der einst politisch stark beobachtete variable Hypozins seit Jahren praktisch unverändert bei rund 2,7 Prozent, wie Statistiken der Nationalbank (SNB) zeigen.

Seit längerem sorgt sich die SNB darum, dass sich der Hypothekarmarkt aufgrund der billigen Kredite überhitzen könnte. Derzeit wächst der Markt um 5,4 Prozent pro Jahr. Das Wachstum hat in den vergangenen Monaten zugelegt. Die SNB hat das Problem, dass sie aufgrund der Bindung des Frankens an den Euro die Zinsen nicht anheben kann (siehe Interview unten).

Auch die UBS warnt vor einer Überhitzung des Immobilienmarkts. Ihr «Blasen-Index», der zuletzt Anfang Mai publiziert worden ist, dürfte inzwischen in die Zone «Gefahr» vorgedrungen sein. Gefährlich hohe Preise macht die UBS am Genferseebecken und am Zürichsee aus. Neu gehört zudem das untere Baselbiet zu den «Gefahrenregionen».

Ganz wohl scheint vielen Banken bei den tiefen Hyposätzen nicht zu sein: Vor wenigen Jahren wurden die damals schon günstigen Kredite in Inseraten und Plakaten vermarktet – die inzwischen noch viel attraktiveren Konditionen aber werden nicht an die grosse Glocke gehängt.

Am liebsten ganz verschweigen würden die Banken ihre Zinssätze auf den Privat- und Sparkonten. Bei den Grossbanken UBS und CS wird ein Privatkonto aktuell zu homöopathischen 0,05 Prozent verzinst – zu einem halben Promille also. Da übersteigen die Gebühren am Ende des Jahres bei den meisten Kunden den Zinsertrag.

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