Die Verhandlungen im Fall der beiden in Pakistan entführten Schweizer David O. und Daniela W. kommen offenbar gut voran: Die pakistanische Regierung hat damit begonnen, inhaftierte Taliban-Kämpfer freizulassen. Dies sagt Mansur Khan Mahsud, Forschungsdirektor des renommierten Instituts Fata Research Center (FRC), gegenüber dem «Sonntag». Das FRC verfügt über direkte Kontakte in die pakistanischen Stammesgebiete, wo die beiden Schweizer seit fast sieben Monaten festgehalten werden.

«Die pakistanische Regierung hat in den letzten Wochen 17 Taliban freigelassen», sagt Mahsud. Die Entführer, die Tehrik-el-Taliban Pakistan (TTP), hatten zuletzt gefordert, dass die pakistanische Regierung 100 Taliban-Kämpfer aus der Haft entlässt und zudem 3 Millionen Dollar für die Schweizer zahlt. Mittlerweile fordern sie nach Angaben von Mahsud 4 Millionen US-Dollar Lösegeld.

«Die Freilassung der Kämpfer ist ein sehr gutes Zeichen», sagt Mansur Khan Mahsud. «Es zeigt, dass die Verhandlungen auf einem guten Weg sind.» Denn nicht die Lösegeld-Forderung sei bisher das Problem gewesen. «Es war nicht klar, ob die Regierung bereit ist, auf den geforderten Gefangenenaustausch einzugehen», sagt Mahsud. Das ist nun anders: «Offenbar ist die Regierung gewillt, alle geforderten 100 Kämpfer zu entlassen.».

Mit der Wende in dem Fall rückt eine Befreiung der beiden Schweizer in greifbare Nähe. «Wenn die Verhandlungen gut laufen, könnte es eine Frage von Wochen sein, bis die beiden zurück nach Hause können», sagt Mansur Khahn Mahsud. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten wollte sich zu den neuesten Entwicklungen nicht äussern.

Daniela W. und David O. waren am 1. Juli in Pakistan entführt worden. Die beiden Polizisten aus dem Emmental waren mit ihrem VW-Bus auf der Heimreise von Indien, als sie in der Nähe der Stadt Loralai in Pakistan entführt wurden. Seitdem sind sie in der Gewalt der Tehrik-el-Taliban Pakistan, die sie in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan festhält.

Die Entführer hatten zu Beginn noch gefordert, die USA müssten eine inhaftierte pakistanische Wissenschaftlerin freilassen. Experten hatten dies als unerfüllbar bezeichnet. Die neue Forderung nach einem Gefangenenaustausch und nach Lösegeld wird als realistischer beurteilt. Im Oktober wurden zwei Videos veröffentlicht, auf denen die beiden Schweizer zu sehen sind. Nun soll es nach Angaben des Fata Research Centers erneut ein Video geben. Bisher sei aber niemand bereit gewesen, dafür Geld zu zahlen.

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