VON ARTHUR RUTISHAUSER

Die Enttäuschung war gross, als die UBS am 3. November für das dritte Quartal schon wieder mehr als eine halbe Milliarde Verlust melden musste. Und seither rissen die schlechten Nachrichten nicht ab. Die Ratingagentur Moody’s stufte die Bonität der UBS nochmals herunter, Standard & Poor’s zweifelte erst an der Qualität der Kapitalisierung, behielt dann aber das Rating stabil. Weiter sorgten die finanziellen Schwierigkeiten in Dubai dafür, dass die Bankaktien auf breiter Front tauchten.

Doch genau dies – so hofft man bankintern – könnte nun dazu führen, dass die UBS wenigstens im letzten Quartal des laufenden Jahres ein ausgeglichenes Ergebnis schreiben kann.

Warum? In den letzten beiden Quartalen musste die UBS paradoxerweise dafür büssen, dass sie ihr Eigenkapital durch verschiedene Kapitalerhöhungen verstärkt hat und dass sich die internationalen Kapitalmärkte nach der Panik des Frühjahrs wegen der immer besser werdenden Konjunkturdaten in China und den USA wieder beruhigt haben. Das alles führte dazu, dass die Kredite der Banken allgemein und die Kredite der UBS im Speziellen wieder als sicherer angeschaut wurden. Die untenstehenden Kurven zeigen die Zinskosten bei Kreditversicherungen für die UBS und die Credit Suisse.

Was eigentlich Good News für das Geschäft sein sollte, ist Gift für die Erfolgsrechnung. Denn dort werden seit einigen Jahren die Schulden der Banken marktgewichtet, das heisst, wenn es einer Bank schlechter geht, dann muss der Gläubiger damit rechnen, dass er einen Teil seiner Kredite verliert. Also muss er Abschreibungen machen.

Die Bank wiederum als Schuldner macht einen entsprechenden «Gewinn», weil die Schulden weniger wert sind. Davon hat die UBS im vergangenen Jahr massiv profitiert – dieses Jahr musste sie im zweiten Quartal 1,2 Milliarden Franken, im dritten Quartal 1,5 Milliarden Franken abschreiben. Die Credit Suisse, bei der ein ähnliches Phänomen zu beobachten ist, hat sich gegen diese drohenden Abwertungen versichert.

«Gestützt auf das gegenwärtige Umfeld erwartet die Bank (. . .), dass im vierten Quartal wegen anhaltender Verengung ihrer Kreditspreads erneute Verluste auf eigenen Verbindlichkeiten zu verbuchen sein werden», schrieb die UBS bei der Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen.

Doch seither hat sich, wegen der oben erwähnten äusseren Umstände, das Umfeld verschlechtert. Die Risikozuschläge gehen nicht mehr zurück, sondern steigen im Gegenteil wieder etwas an. Daher ist zu erwarten, dass diese Sonderabschreibungen massiv zurückgehen werden. Bedenkt man zudem, dass im letzten Quartal wegen eines Sonderabschreibers durch den Verkauf der brasilianischen Bank Pactual und den Auskauf der Beteiligung des Bundes ein Verlust von weiteren 800 Millionen Franken entstand, so dürfte es im vierten Quartal reichen. Die UBS wollte keine Stellung nehmen.

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