VON FLORENCE VUICHARD

Mehr als 78 200 Babys sind 2009 gemäss dem Bundesamt für Statistik in der Schweiz geboren – so viele wie seit neun Jahren nicht mehr. Der Babyboom hat auch Folgen für die Sozialversicherungen: Der Topf der Erwerbsersatzordnung (EO), die nebst den Diensttagen der Soldaten auch den Urlaub der Mütter bezahlt, ist bald leer.

Die EO braucht deshalb neues Geld: «Der Bundesrat wird die Beiträge 2011 um 0,2 Lohnprozent erhöhen müssen», sagt Yves Rossier, Chef des Bundesamtes Sozialversicherungen, im Interview. Damit beträgt der Lohnabzug für die EO neu 0,5 statt wie bisher 0,3 Prozent.

Mit der Einführung der Mutterschaftsentschädigung per 1. Juli 2005 stiegen die Ausgaben der EO sprunghaft an – von rund 700 Millionen auf rund 1,4 Milliarden Franken. Seit 2006 schreibt die EO rote Zahlen, ihre Reserven dürften in der Zwischenzeit etwa auf die Hälfte einer Jahresauszahlung geschrumpft sein. «Sobald die Reserven der EO aufgebraucht sind, müssen die Beiträge erhöht werden», sagt Rossier.

Anspruch auf Mutterschaftsgeld haben nur erwerbstätige Frauen. Das führe auch zu Missbrauch, wie Robert Gygax sagt, stellvertretender Direktor der Ausgleichskasse des Kantons Bern. «Insbesondere Kleinstunternehmer und Landwirte tendieren dazu, ihre schwangere Ehefrau anzustellen und ihr einen Lohn auszuzahlen.» Die Zahl der «Scheinlöhne» nehme zu.

Wer aber genau hinschaue, erkenne Ungereimtheiten, sagt Gygax: «Es ist einfach nicht glaubwürdig, wenn eine Mutter fünf Monate vor der Geburt statt 2000 Franken Lohn plötzlich 7000 Franken erhält mit der Begründung, sie arbeite 90 Prozent statt wie bisher 20 Prozent.» Die Berner werden für ihre harte Linie belohnt. «Wir haben bis jetzt immer Recht erhalten vor Gericht, wenn wir einer Frau das Mutterschaftsgeld verweigert haben.»

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