VON KURT-EMIL MERKI

Was den Briten und den Skandinaviern die Königshäuser und den Schweizern die Miss-Wahlen, das sind den US-Amerikanern die Präsidentenfamilien. Ob Geburt, Verlobung oder Heirat, ob Alkoholexzess, Seitensprung oder Scheidung: Was die ehemaligen oder aktuellen Präsidenten und ihre Ehefrauen, Söhne und Töchter unternehmen oder unterlassen: Amerika (und damit die ganze Welt) interessiert sich dafür. Klar und logisch, dass Chelsea Clinton – die Tochter des Ex-Präsidenten Bill Clinton und der heutigen Aussenministerin Hillary Clinton – unter diesen Umständen keine Chance hatte, sich «im privaten Rahmen» mit Marc Mezvinsky zu trauen. Wie sie das ursprünglich wollte.

Wirklich? Wer für den sprichwörtlich «schönsten Tag im Leben» ein Budget von drei Millionen Dollar hat, hat wohl mehr im Sinn, als bloss die engsten Verwandten und ein paar gute Kollegen einzuladen. Entsprechend gross war denn auch die Kelle, mit der die Clintons die Hochzeit ihres einzigen Kindes anrichteten. Wobei der grösste Teil des Betrags für Sicherheitsmassnahmen drauf- ging. Der 8000-Seelen-Ort Rhinebeck, zwei Autostunden von New York entfernt, wurde vier Stunden lang praktisch verriegelt und verrammelt, der Luftraum gar für zwölf Stunden abgesperrt. Da waren die 25000 Dollar, die das Brautkleid kostete, ein Kinkerlitzchen.

Clinton und Marc kennen sich seit ihrer Jugendzeit. Die (heute geschiedenen) Eltern Mezvinsky politisierten einige Jahre als Kongressabgeordnete in Washington. Das Brautpaar Clinton-Mezvinsky absolvierte gemeinsam die Elite-Universität Stanford in Kalifornien. Marc arbeitet heute als Investmentbanker, er und seine Frau leben in New York.

Ex-Präsident Bill Clinton war bereits am Freitagabend nach Rhinebeck gereist. «Wir lieben diesen Ort. Und Chelsea liebt ihn», sagte er bei einem kurzen Rundgang durch die Kleinstadt zu Journalisten. Und seinen Schwiegersohn schätze er sehr, fügte er hinzu. Eine Wortwahl, die zu Spekulationen geradezu einlädt: Den Hochzeitsort seiner Tochter liebt Clinton, ihren Mann aber schätzt er bloss. Wenn das so schlecht kommt, wie es sich anhört, wird die Welt wiederum Zeuge sein.

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